Das war 2021: Persönliches

Einleitung

Eines meiner liebsten Theaterstücke ist Arthur Millers Hexenjagd (im Original The Crucible). Nicht nur, dass das Poster einer spezifischen Inszenierung davon eine meiner ersten richtig engagierten Grafikdesign-Arbeiten war, nein, ich finde es auch ein beachtliches literarisches Werk von (leider) zeitloser Relevanz.
Viele Stellen in dem Stück finde ich bemerkenswert, doch eine der einprägsamsten findet nicht mal auf der Bühne statt. Sie passiert im off und nur im Dialog des Protagonisten John mit seiner Frau Elizabeth findet die Begebenheit Erwähnung. Es geht um den Tod ihres Bekannten Giles Corey – und ich schwöre dass dies Relevanz hat für den heutigen Artikel. Haltet den Gedanken.

Auch vorweg muss man wohl festhalten, dass eine pure Übersicht von „ich hab dies gemacht und jenes veröffentlicht“ dieses Jahr nur unzureichend wird abbilden können. Aber fangen wir mal da an und schauen, wie weit wir kommen, bevor wir die Nierenhaken erreichen …

Veröffentlichungen und Projekte

Den ersten Punkt hier mögt ihr vielleicht schon gar nicht mehr hören: Tales from the Loop: Deutschland in den 80ern von Dominic Hladek, Carolina Möbis, Kai Großkordt und mir ist erschienen und definitiv der kreative Erfolg für mich gewesen. Es ist aber auch passend, hier vielleicht nun ein letztes Mal darauf rumzureiten, hatte ich doch meinen Winterurlaub vor genau einem Jahr genutzt, um meine Hälfte des Buches zu schreiben.
Motel von Matthias und mir ist in seiner neuen FATE-Inkarnation ebenfalls erschienen und fliegt zwar etwas unter dem Radar, macht mich aber dennoch glücklich.
Mystics of Mana ist noch immer nicht final raus, aber kommt. Hoffentlich sogar recht bald.

Belletristisch war es zugegeben etwas frustrierender, aber bleiben wir zuvor doch noch einen Moment bei den Erfolgen.
Hilde: Das offizielle Fotobuch ist erschienen und zeigt unzählige Impressionen von unseren Dreharbeiten für Hilde und die Glocken der Amazonen; es war aber auch deshalb ein tolles Buch, weil es inmitten der Pandemie noch mal ganz anders Spaß gemacht hat, Freunden diese papiergewordenen Erinnerungen persönlich überreichen zu können und teils mit ihnen darin zu blättern.

Und apropos Filmdrehs: Derer hatten wir 2021 zumindest wieder einen und konnten so Morold und die Karte von Carthagena wichtige Schritte dem Ziel näher bringen. Ein Drehtag fehlt noch, das ist zu schaffen.
Was veröffentlichte Videos angeht, so war es etwas magerer und fand fast nur außerhalb meines eigenen Kanals statt – daran sollte ich arbeiten.
2021 hat immerhin einen neuen DORPShop-Spot, eine Folge Easy Props und gleich zwei Tanzball-Videos (einmal noch 2019 und gerade erst den Tanzball 2021) hervorgebracht. Cool – aber dennoch eine etwas magere Ausbeute gemessen an dem, was ich tun wollte.

Wo wir aber von Tanzen sprechen – das gab‘s dieses Jahr wenigstens ab Sommer wieder, sowohl mit wöchentlichem Training unter sorgfältigen Corona-Auflagen wie auch in Form des erwähnten Tanzballs. Allesamt ohne Infektion, insofern scheinen unsere Hygiene-Konzepte also zu taugen.

Ein weiteres kreatives Outlet, das die Pandemie mir bereitet hat, ist zunehmend die Hobby-Schreinerei geworden – aber dazu demnächst mal gesonderte Gedanken, denke ich. Ebenfalls soll der DORPCast erwähnt sein, der abseits von einem hochwasserbedingten Aussetzer in seinem gewohnten Rhythmus weiterhin verlässlich erscheint.

Nun aber sind wir ausweglos bei der Belletristik angekommen und da war 2021 eine wie gesagt zum Teil frustrierende Erfahrung. Ich schrieb ja schon davon, aber dass ich Sporenläufer als Projekt abbrechen musste, weil die (Jahre alte) Prämisse des Buches einfach keine Freude bringen wird inmitten einer Pandemie (oder auch Post-Pandemie) ist … richtig, aber schmerzhaft.
Mein Lichtblick wurde Das letzte Kind von Kaltenstein, zudem übermorgen mehr zu sagen sein wird, was mich in mehrerlei kreativer Hinsicht dieses Jahr doch noch aufgefangen hat und das, hoffe ich, richtig, richtig cool werden wird.

Aber spätestens an den letzten Punkten merkt man, es gibt da ein paar Kräfte abseits der puren Kreativarbeit, die 2021 aus meiner persönlichen Sicht unnachgiebig mitgeprägt haben.

Corona

Es bleibt einfach nicht zu leugnen, dass die Corona-Pandemie auch 2021 in ihrem festen Klammergriff gehalten hat. Ich kann für mich selber gar nicht genau festmachen, ob es mehr der generelle Dauerzustand, oder mehr der stärkere Kontrast durch hellere Lichtmomente in diesem Jahr war, der die zermürbende Wirkung verstärkt hat – aber egal wie, es ist alles nicht einfach.
Und dabei geht es mir gut. Das kann man ja in diesem (wie auch im nächsten) Zusammenhang gar nicht oft und deutlich genug sagen – am Ende des Tages ist das, was ich hier mache, Meckern auf hohem Niveau. Aber nicht nur stellt es denke ich ein gewisses Maß an Basis-Empathie dar, dass man ja nun überall sehen kann, wie es Menschen gesundheitlich, wirtschaftlich, aber auch seelisch einfach zusetzt, was die letzten Jahre passiert – selbst wenn es einem selber verhältnismäßig okay geht. Vielmehr, und das ist in unserer hochgradig poralisierten Welt vermutlich ein unbequemer Standpunkt, heißt es, weil es mir relativ gut geht, ja nicht automatisch, dass es für mich nicht schwer ist.

Gerade in all den Bereichen, wo ich Verantwortung nicht nur für mich, sondern auch für andere trage. Im Hobby-Bereich ist das vor allem der Tanzverein, bei dem auch dieses Jahr wieder nahezu all meine Vorstands-Arbeit aus Pandemie-Reaktion bestand. Beruflich ist es für mich aber auch viel spürbarer als früher, denn mit Beginn des vergangenen Jahres bin ich bei Ulisses nun ja Verlagsleiter geworden und was auf der einen Seite für mich selbst ein immenses Achievement ist, ist auf der anderen Seite (zumindest in meinen Augen) zugleich ja auch die Pflicht, meiner Personalverantwortung bestmöglich auch in diesen unruhigen Zeiten nachzukommen. Alles nicht einfach.
In einer Zeit von existenzieller Sorge und weltweiter Ressourcenknappheit sind Unterhaltungsmedien mutmaßlich ebenso unentbehrlich wie Luxusgut zugleich – und ich beende dahingehend 2021 auch schlichtweg mit Stolz für jede einzelne Minute, in der irgendwas, woran ich beteiligt war, Leuten geholfen hat, eine seelische Zuflucht zu finden.

Flut

Ich habe sehr bewusst bis heute keine Aufnahmen von dem Tag danach veröffentlicht, und auch dies hier ist bei weitem nicht die drastischste Aufnahme, die ich besitze. Aber da schwingt mir ansonsten ein Sensationalismus mit, den ich nicht bedienen möchte.
Umgekehrt scheitere ich aber auch nach wie vor daran, die Sinneseindrücke angemessen durch Worte zu vermitteln.

Und als wäre das nicht alles schwierig genug, haben Teile des Landes (inklusive der Ecke, in der ich Lebe) dann ja dieses Jahr auch noch eine Flutkatastrophe ungeahnten Ausmaßes erfahren.
Das ist nichts, worauf ich hier in großer Tiefe eingehen möchte (und erneut etwas, bei dem ich durch schieres, pures, dummes Glück selbst verschont geblieben bin), aber es ist halt auch schwierig, hier einen ehrlichen Jahresrückblick zu schreiben, ohne das nicht zu erwähnen.
Obwohl ich so verschont geblieben bin, obwohl sogar insgesamt meine Freunde und Bekannten mit ganz wenigen Ausnahmen unendlich Schwein gehabt haben in jener Nacht – dieser Vormittag, in dem ich durch die Innenstadt hier gegangen bin, vorbei an entwurzelten Bäumen, gestürzten Laternen, zerstörten Autos und eingebrochener Infrastruktur, umgeben von diesem unglaublichen Benzin- und Dieselgeruch und dem Wasser überall … das sind Sinneserfahrungen, die ich noch eine lange Zeit mit mir tragen werde.

… und der Tod der Tausend Schnitte

Niemand kann vermutlich nachfühlen, wie sehr dieser kleine Kerl einst für gleich zwei Menschen ein Fänger im Roggen war.
Mach’s gut, kleiner Freund.

Darüber hinaus hat das zurückliegende Jahr es auch einfach verstanden, immer wieder noch diese zusätzlichen, kleineren Wunden zu schlagen, die mich zugegebenermaßen müde ins Ziel haben taumeln lassen.
Sei es, dass unser traditioneller Winterurlaub letztes Jahr coronabedingt nicht stattfinden konnte. Oder dass direkt unsere erste etwas größere Zusammenkunft im Freundeskreis einen Impfdurchbruch (ohne weitere Infektionen; danke Impfstoff!) mit sich gebracht hat. Oder dass ein Katerchen, das zwar schon seit vielen Jahren nicht mehr bei mir lebt, aber das eben doch auch immer mein Katerchen war, dieses Jahr auch nicht hat vollenden können.
Das sind alles nüchtern-objektiv betrachtet relativ harmlose Sachen gemessen an der massenhaften Verheerung von Flut und Seuche. Manches davon mag man sogar trivial nennen, verglichen mit den vorangehenden Punkten, aber einem persönlich setzt es dennoch zu.
Es ist gewissermaßen ein negativer Fall von etwas, wo die Sache mehr ist als die schiere Summe ihrer Teile.

Was war das denn jetzt mit Arthur Miller?!

Und so kommen wir abschließend zurück zu Millers The Crucible. Um besagtem Giles Corey ein Geständnis abzuringen, werden ihm von den selbsternannten Hexenverfolgern immer weitere schwere Steine auf die Brust gelegt. Doch statt in Abkehr von seinen Werten zu handeln, statt einen Ausweg etwa durch Falschaussage zu suchen und der anhaltenden Qual durch die wortwörtlich erdrückende Last auf seiner Brust ein Ende zu machen, richtet Corey trotzig fordernd nur zwei Worte an die Folternden: „Mehr Gewicht!“
Und das verkörpert mehr als alles andere für mich das Gefühl, das 2021 dargestellt hat. Ein Jahr, das einem immer dann, wenn man einfach nur rechtmäßig seinen Weg beschreiten mochte, nur mehr und mehr Steine auf die Brust legte. Und der einzige Weg, erhobenen Hauptes für mich durch dieses Jahr zu kommen, war dann auch, meiner treu zu bleiben und zu sagen: Mehr Gewicht!
Giles starb. Ich habe derweil freilich vor, noch ein paar Dutzend Male um unsere Sonne zu fliegen, aber dennoch trifft die Textstelle meine Gemütslage gut.

Es war ein forderndes Jahr. Aber wir haben ja jetzt ein neues, das nun besser werden kann. Ich habe, wo ich das hier schreibe, schon einige Tage Urlaub und ich spüre ziemlich, wie die Lebens- und Kreativschaffensgeister zurückkehren; also lest den hinteren Teil dieses Artikels bitte auch nicht mit zu großer Sorge.

Morgen folgt hier jedenfalls noch der obligatorischen Rückblick auf mediale Freuden des vergangenen Jahres, und übermorgen schauen wir dann auch mal, was ich mir von 2022 so erhoffe, was ich plane und was mir Hoffnung gibt, dass es ab hier wieder besser wird.

Viele Grüße,
Thomas

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