Ich habe Bücher gelesen: Q2/26
Hallo zusammen!
Bisschen später als geplant, aber dafür auch mächtig umfangreich geht’s heute in die nächste Runde: „Bücher, die ich gelesen habe“.
Falls das Foto es nicht eh schon gespoilert hat: Ich hab diesmal eine Menge gelesen. Ich weiß gar nicht genau, warum sich das so ergeben hat – aber die Bücher waren spannend, die Seiten schmolzen einfach so dahin.
Und darum ohne weitere Umschweife – rein ins Getümmel!

Nick Offerman: Paddle Your Own Canoe
Fangen wir doch am seltsamen Ende an: Paddle Your Own Canoe ist ein Buch des Schauspielers Nick Offerman. Es ist eine Mischung aus Biografie, Lebensratschlägen und willkürlicher Weisheiten, die er über die Jahre eingesammelt hat. Es ergibt mehr Sinn, wenn man den Untertitel des Buches – „One Man’s Fundamentals for Delicious Living“ mitdenkt, denn am Ende ist der Fokus, auch der des biografischen Teils, ganz klar darauf, wie man mit seiner begrenzten Zeit auf der Erde etwas Sinnvolles und Wohltuendes erreichen kann.
Es ergibt auch mehr Sinn, wenn man mit Offermans wohl bekanntester Rolle – Ron Swanson in der Sitcom Parks & Recreation – vertraut ist; wobei ich persönlich da auch nicht mehr gesehen habe als die gängigen Internet-Memes. Es ist deshalb relevant, weil Offermans Weltsicht hier durchaus auch kontrastierend steht zur Serienfigur. Denn beide vertreten durchaus ein paar „traditionell männliche“ Ideale, die aber bei dem realen Menschen Offerman sehr viel nuancierter daherkommen.
In manchem gehe ich da voll mit (etwa der Liebe zum Schreinern), bei manchem auch gar nicht (etwa bei der Liebe zu Fleisch- oder Drogenkonsum), aber so ein Buch ist ja auch nicht zwingend da, damit man die ganze Zeit zustimmend nickt. So ein Buch ist ein guter Anlass, seine eigene Welt- und Wertesicht zu hinterfragen. Oh, und Paddle Your Own Canoe ist außerdem ausgesprochen lustig, das sollte man auch dazusagen.
Der wohl aber größte gedankliche Dreh- und Angelpunkt des Buches für mich steckt auch im Titel – denn der meint sowohl, das eigene Kanu mit eigener Kraft anzutreiben, als auch, sich womöglich in seinem Leben mal ein eigenes Kanu zu bauen. Was aber letztlich dahinter steckt, ist die Frage, ob diese ganzen modernen Bequemlichkeiten nicht den Punkt erreicht haben, an dem wir aufhören, unsere eigenen Leben wirklich selbst zu leben – mit allem, was so ein Leben zu leben halt ausmacht. Und auch wenn er da teils weiter und manchmal pauschaler ausholt, als ich es würde, ist das ein überaus wichtiger Gedanke zu einem Zeitpunkt, an dem Menschen selbst die letzten Eigentätigkeiten versuchen, an virtuelle Systeme auszulagern.1
R.F. Kuang: Babel
Okay, harter Kurswechsel. Babel ist ein Roman der chinesisch-amerikanischen Autorin R.F. Kuang. Er erzählt die Geschichte des jungen Robin Swift, der in den 1830ern unter der strengen Ägide des Professors Richard Lovell ans Royal Institute of Translation nach Oxford versetzt wird. Das Institut, gerne auch „Babel“ genannt, ist dabei mehr als eine reine Übersetzungsstätte: Die Gelehrten dort vermögen es, mittels der Kraft der Sprache, quasi-magische Effekte zu erzielen. Auf der einen Seite findet Robin dort schnell Freunde, auf der anderen Seite kann er weder vor dem dennoch alle Stände der Gesellschaft durchziehenden Rassismus noch vor der ausbeuterischen Kraft des Kolonialismus, die auch vor Babel nicht halt macht, die Augen verschließen.
Manches an dem Buch ist nicht neu – Lovell etwa ist als „problematischer Mentor“ zwischen Hellboys Professor Broom und Sir Reginald Hargreeves der Umbrella Academy eine Art von Figur, die man schon oft gesehen hat.
Auf der anderen Seite ist die Form des Wirkens, die Babels Übersetzer ausüben, ein „Magiekonzept“, das ich so noch nie gesehen hatte – denn die Effekte manifestieren sich durch die Mehrdeutigkeit einer Wortbedeutung, die im Zuge einer Übersetzung „verloren geht“. Genau das, was lost in translation ist, ist das, was sie manifestieren. Super-cooles Konzept, wenn auch eines, was das Buch in meinen Augen nie so richtig bis zum Ende auszuschöpfen versteht.
Aber das, was Babel für mich wirklich stark gemacht hat und weshalb es mir eingangs auch so wichtig war, Kuang als chinesisch-amerikanischen Autorin zu identifizieren, ist tatsächlich die kulturelle Breite dessen, was hier beschrieben wird. Es ist nicht nur, dass sie es wirklich gut versteht, chinesische und englische Sprach-Elemente in ihre Erzählung einzuflechten, es ist auch der mehrdimensionale Blick, den sie eben auf die britischen Kolonialansprüche auf das China jener Epoche wirft.
Der volle Titel der englischen Ausgabe, der in der deutschen Fassung ein wenig unter die Räder geraten scheint, ist: Babel, or The Necessity of Violence: An Arcane History of the Oxford Translators‘ Revolution. Das gibt denke ich ein sehr klares Bild, was einem bevorsteht.
E.K. Johnston: Star Wars – Queen’s Shadow
Nächster Kurswechsel. Queen’s Shadow ist ein Star-Wars-Roman der Autorin E.K. Johnston und beschreibt die Übergangsphase von Padmé, als ihre Amtszeit als Königin von Naboo endet und ihre Zeit als Senatorin beginnt.
In der Vergangenheit habe ich für diese Art Buch die wortgleiche Einschätzung gegeben: „Wenn ihr das lest und das cool klingt, lohnt das Buch. Wenn ihr nicht wisst, wer das ist, gibt es vermutlich bessere.“
Queen’s Shadow ist da allerdings ein etwas komplexer Fall. Es ist ein Star-Wars-Roman, in dem im Grunde nahezu kein Blaster abgefeuert wird. Es ist ein Star-Wars-Roman, in dem es nur sehr wenige Szenen gibt, in denen überhaupt jemand Gefahr an Leib und Leben erfährt. Und dennoch (vielleicht sogar: darum) fand ich es eine extrem spannende Lektüre.
Es ist eine Auseinandersetzung damit, wie jemand in ein eigenes Leben zurückfindet, nachdem sie die letzten vier Jahre im Grunde alle persönlichen Aspekte ihrem Amt untergeordnet hat. Es ist sozusagen die Frage, was von Padmé Amidala bleibt, wenn sie nicht mehr Königin Amidala ist – und wo, wenn überhaupt, Raum für _Padmé Naberrie_ bleibt, der Privatperson hinter all dem.
Gleichzeitig hat sie als Königin unentwegt ihre fünf handmaidens um sich gehabt, öffentlich eine Art Zofe und faktisch so etwas wie ihre persönlichen Elitebegleiter, von denen einige nun ganz andere Wege beschreiten wollen, andere ihr aber die Treue halten. Und die zentralste dieser Dienerinnen, Sabé, steht an einem vergleichbaren Wendepunkt uns muss sich fragen, wo Sabé endet, und die Privatperson Tsabin beginnt, deren Existenz (und Bedürfnisse) sie nun auch vier Jahre ignoriert hat.
All das ist kein Buch, was vermutlich einen guten Einstieg in die Romanwelt von Star Wars bietet für Leute, die erstmal generell mehr von dieser weit, weit entfernten Galaxie erfahren wollen.
Aber für alle, die zumindest grob wissen, was ich da gerade geschrieben habe und die sich zudem davon auch angesprochen fühlen? Dickste Empfehlung – für mich eines der spannendsten Star-Wars-Bücher seit Jahren.
(Und gute Nachricht, zusammen mit den zwei Folgebänden Queen’s Peril und Queen’s Hope ist es zugleich der Beginn einer sehr losen Amidala-Trilogie; aber zu den beide Folgebänden werde ich erst Ende Q3/26 mehr zu sagen haben.)
Und sonst waren da noch …
- Augustyn, Brian et al.: Batman: Gotham by Gaslight ist so ein Comic, den ich in der Theorie lieben sollte. Batman ist cool, die Idee das ins Gaslicht des 19. Jahrhunderts zu verlegen und noch u.a. Jack the Ripper einzurühren klingt wie ein Nobrainer. Aber … irgendwie hat mir der Comic nichts darüber hinaus gegeben. Eine tolle Prämisse, aber leider keine tolle Geschichte, die sie zu erzählen haben.
- Christopher, Adam: Star Wars – Shadow of the Sith ist ein Roman, der eine Brücke schlägt hin zu den Ereignissen der Star-Wars-Sequel-Trilogie. Manches davon ist exzellent, etwa das ganze titelgebende Sith-Mysterium aus alter Zeit, oder auch, dass die coolen Acolytes of the Beyond aus der Aftermath-Trilogie nochmal auftauchen. Das Buch leidet jedoch finde ich sehr darunter, dass der primäre Antagonist Ochi of Bestoon so immens überzeichnet wird, dass er manchmal mehr wie ein comic relief wirkt und als Bedrohung irgendwie nicht mehr Ernst zu nehmen ist.
- Cooke, Darwyn et al.: DC: The New Frontier ist ein Comic, der aus den frühen 2000ern stammt, aber letztlich den Übergang vom Golden Age der DC-Comics in das Silver Age beschreibt. Es ist ein starker Comic, sehr lesenswert, der Themen wie den Koreakrieg, das Atomzeitalter und die Bürgerrechtsbewegung aus einer modernen Perspektive neu beleuchtet.
- Fry, Stephen: Odyssey ist eine Nacherzählung von Homers Odyssee aus der Feder und im süffisanten Stil von Stephen Fry. Wer gerne nochmal einen Ritt durch diesen absoluten Meilenstein der Weltliteratur wagen möchte, aber sich einen leichteren (und dennoch inhaltlich fundierten) Zugang wünscht? Absolute Empfehlung. Das von Fry gelesene Hörbuch ist ebenfalls toll.
- diverse: The Twisted Women’s Book Club ist die größte Ansammlung völlig verschenkten Potenzials, die ich seit langem zwischen hatte. Es ist eine Audible-Anthologie von Kurzgeschichten verschiedenster Autor:innen mit einer gemeinsamen Prämisse – sie alle sind mehr oder weniger lose mit dem Buchclub der angesehenen (fiktiven) Selbsthilfe-Autorin Dr. Margaret Richter verbunden. Einige der Geschichten sind gut, einige weniger. Manche sind nebeneinander betrachtet etwas repetitiv. Aber das wahre Bindeglied ist ein redaktionelles Totalversagen, das einem jede Illusion einer zusammenhängenden Erzählung raubt.2
- Gotthelf, Jeremias: Die schwarze Spinne ist so einer der Klassiker der deutschen Literatur (Biedermeier, Romantik und Schauerromanik hab ich alles schon gehört) und war zugleich lange eine Wissenslücke bei mir. Diese ist nun geschlossen und ich kann sagen: Es ist eine tolle, atmosphärische und „bildgewaltige“ Geschichte um ein Dorf, das sich immer mehr in einem Teufelspakt verliert – aber zugleich eine, die einen sprachlich am Anfang herausfordern dürfte. Aber gut, 184 Jahre ist sie alt, und zudem von einem Schweizer Autor.3
- Glazebrook, Jamie: Peaky Blinders – The Official Visual Companion ist eigentlich zuallererst ein Bildband. Wunderschön, mit detaillierten Aufnahmen direkt vom Set, die einen wirklich die Handwerkskunst der Serienmacher wertschätzen lassen … aber zählt das als „Gelesen?“ Gleichzeitig hat es meinen Artikel Thomas Shelby im Schatten des Marionettentheaters auch geprägt, es steckt also durchaus Text drin.
- Keegan, Claire: Small Things Like These wirkt am Anfang wie eine Slice-of-Life-Geschichte um einen Kohlefahrer 1985 in Irland. Es beleuchtet dann ganz unvermittelt einen leider allzu realen Schrecken der irischen Geschichte und verliert doch nie den Fokus darauf, wie der Protagonist damit umgeht. Ein kurzes Buch voll unfassbar dichter Beschreibungen, das auf eine einzige, fundamentale moralische Entscheidung hinarbeitet.
- King, Stephen: Carrie ist Kings Erstling und noch immer ein gutes Buch, auch wenn es nicht vollauf verhehlen kann, dass der Autor hier noch auf der Suche nach seiner Erzählstimme war. Macht es aber vielleicht gerade drum spannend.4
- Kingfisher, T.: Wolf Worm ist ein Horrorroman ohne Wenn und Aber. Eine junge Frau landet als Zeichnerin bei einem Insektenforscher, abgelegen im Nirgendwo, umgeben von Sümpfen, Schauergeschichten und menschlichen Abgründen. Das Buch ist gut, aber irgendwie hätte ich mir noch etwas mehr Entwicklung vor dem Finale gewünscht.
- Kojima, Hideo: The Creative Gene ist eine Sammlung von Texten des gefeierten Videospielmachers Hideo Kojima. Auf der einen Seite ist es fast Etikettenschwindel, wie das Buch als zusammenhängendes „Gesamtwerk“ beworben wurde, denn es ist vor allem die Zweitverwertung zweier Kolumnenreihen, die er einst verfasst hat. Die Texte – über den Reiz verschiedener anderer Medien – sind dennoch teilweise sehr lesenswert.
- Kuang, R.F.: Katabasis ist die Geschichte zweier Doktoranden, die im Cambridge arkane Künste studieren und notgedrungen höchstselbst in die Hölle reisen, weil sie von ihrem unerwartet verstorbenen Professor Jacob Grimes noch ein Empfehlungsschreiben für ihre akademische Zukunft brauchen. Ein gutes Buch und eine interessante Meta-Adaption von Dante und co., dem für mich etwas der letzte Schliff fehlte.5
- Lea, Anna / Christie, Agatha: The Mysterious Affair at Styles ist eine Hörspiel-Adaption von Christies Roman (der auf Deutsch alle möglichen Titel hatte; mein Buch heißt Das fehlende Glied in der Kette) und in meinen Augen eine exzellente Umsetzung mit einem absolut brillierenden Peter Dinklage als Hercule Poirot. Tolles Buch, meisterhaft adaptiert.
- Lea, Anna / Christie, Agatha: The ABC Murders (bzw. Die Morde des Herrn ABC) ist die zweite Hörspiel-Adaption des gleichen Teams. Handwerklich erneut top, inhaltlich fand ich die Entscheidung jedoch schade, hier eine betont „härtere“ Geschichte mit einem verbitterteren Poirot zu inszenieren. Teil 1 hatte eine Form von Lebensfreude, die hier fehlt. Dennoch gut (Buch und Hörspiel), aber als Adaption nicht so überragend wie der Vorgänger.
- Offerman, Nick: Good Clean Fun ist ein weiteres Buch von Nick Offerman mit weit, weit größerem Fokus auf das Schreinerei-Thema. Es ist ein gutes Buch, vor allem wenn man dem Holzwerken zugeneigt ist, aber es war ein Fehler es direkt nach Paddle Your Own Canoe zu lesen, da es dann doch einige Redundanzen aufweist.
- Osang, Rolf: Algarve-Rache war ein Zufallsfund, den ich nicht liegen lassen konnte, spielt ein prominenter Teil des Buches doch ausgerechnet in Ferragudo, dem kleinen portugiesischen Örtchen, indem ich auch schon mehrfach war. Osang war, so erfuhr ich danach, auch tatsächlich kulturell sehr engagiert in der Region. Der Plot ist eher eine Räuberpistole, der Schreibstil ist leider eher mau und Osangs Figuren wirken niemals wie echte Menschen, sondern wie schematische Funktionsträger.
Aber vor allem, lieber Emons Verlag, wenn du auf dem Klappentext „Urlaubsfeeling garantiert“ versprichst … mach’s vielleicht nicht bei einem Buch über Kindesmisshandlung.
Nur so’n Gedanke. - Savage, Adam: Every Tool’s A Hammer ist ähnlich wie Paddle Your Own Canoe irgendwo zwischen Biografie und Ratgeber gelagert, aber zielt weniger aufs allgemeine Leben und mehr aufs kreative Schaffen im Speziellen ab. Und ist ein exzellentes Buch, das Savages Begeisterungsfähigkeit gut auf den Leser überträgt und bei dem man durchaus auch noch das eine oder andere lernen kann.
- Seneca: On the Shortness of Life ist eine kurze Abhandlung über genau das, was auch der deutsche Titel suggeriert: „Von der Kürze des Lebens“. (Ich hab’s auf Englisch gelesen, denn Altgriechisch kann ich nicht, insofern muss ich eh eine Übersetzung nehmen und die englische Penguin-Ausgabe war leicht verfügbar.) Was ich daran so bemerkenswert und irgendwie auch erschütternd finde, ist dass ein nahezu exakt 2.000 Jahre altes Buch den Finger in so viele bis heute offene Wunden legt. „You act like mortals in all that you fear, and like immortals in all that you desire“, schreibt Seneca – und was er sagen will ist: Warte nicht auf die Rente oder irgendeine kommende Zukunft, dein Leben so zu leben, wie du es möchtest, wenn du doch nicht mal die Garantie hast, diesen Punkt überhaupt jemals zu erreichen. YOLO quasi..6
- Watters, Dan et al.: Batman – Dark Patterns ist endlich mal wieder ein moderner Batman-Comic ganz nach meinem Geschmack. Er liefert das, was ich immer schon mochte – Batman als echter Detektiv, der ein großes Rätsel lösen muss und dazu als Rahmen Gotham City als bedrohlich-bedrückendes Wesen. Wirklich cool, und so The Long Halloween war lange kein Batman-Comic mehr für mich.
Gott, was ein langer Artikel – sorry, aber waren halt viele Bücher.
Vielleicht ist ja aber auch die eine oder andere Anregung für euch dabei?
Viele Grüße,
Thomas
- „Our cool, new technologies provide us with a surplus of convenience, and it seems to me that an overabundance of convenience leaves us with a surplus of leisure time. Our technologies then provide us with a panoply of choices of ways in which to fill that time, like video games, social networking, vapid television and film content, etc.
We thereby end up spending money and time upon their diversions, when we could have been just performing all of the simple acts that our technologies are saving us from in the first place. Driving our vehicles. Looking at our maps. Fishing. Walking in the woods. Doing the dishes. Splitting firewood. That’s living, plain and simple, and I feel like a crotchety old man saying this, but there is a great satisfaction in a drying rack full of dishes that cannot be found on Twitter or Scrambley Town.“
• Paddle your own canoe, S. 219 ↩︎ - Ich mag die Idee solcher Bücher; ich meine, unser Die blaue Gans ist gar nicht unähnlich. Aber Himmel! Charaktere sind hochgradig inkonsistent, wenn sie in verschiedenen Geschichten auftauchen. Ereignisse der einen Geschichte halten die halbe Zeit keinen Einzug in die nächste. Es muss ja gar nicht eng verwoben sein, aber wenn in der einen Geschichte plotrelevant eine Weinfalsche in einer Küche zerbrochen und verwendet wird, um damit einen Blutfleck zu kaschieren … ja dann lasst doch wenigstens den Weinfleck bei den folgenden Beschreibungen der Küche nochmal Erwähnung finden. Nichts ist konsistent, alles wirkt willkürlich, Zeitpläne kommen hinten und vorne nicht zusammen – und alles, alles was es gebraucht hätte, wäre ein zentraler Redakteur gewesen, der am Ende die Fäden alle nochmal prüft und abschließend sauber verwebt. Die Riege der Schreibenden ist teils wirklich renommiert, von Karin Slaughter bis Lee Child, aber das Ergebnis ist extrem enttäuschend. Mal davon abgesehen, dass das Maß, wie scheinbar jeder mindestens einmal in seiner Geschichte einbauen muss, dass die handelnden Figuren von Karin Slaughter als Autorin verzückt sind, auch … unangenehm ist. ↩︎
- Aber im Ernst, prüft selbst: „Rasch schritt die Gotte die Halde ab den Kirchweg entlang, auf ihren starken Armen das muntere Kind, hintendrein die zwei Götteni, Vater und Großvater, deren keinem in Sinn kam, die Gotte ihrer Last zu entledigen, obgleich der jüngere Götti in einem stattlichen Meyen auf dem Hute das Zeichen der Ledigkeit trug und in seinem Auge etwas wie großes Wohlgefallen an der Gotte, freilich alles hinter der Blende großer Gelassenheit verborgen.“ Man findet rein in die Sprache, aber wer nur moderne Lesegewohnheiten kennt, wird sich denke ich gefordert fühlen. ↩︎
- Lustig finde ich, dass King nachträglich weitere Passagen schreiben musste, weil dem Verlag sein initiales Manuskript zu kurz war. Nun, sagen wir mal, das ist ihm danach sicher nicht noch einmal passiert. ↩︎
- Kleiner Spoiler, daher als Fußnote, aber: Die Metapher des Buches ist mehr als offenkundig – Academic is hell, wörtlich genommen. Und die Art, wie gerade die Protaginistin Alice von ihrem Mentor auf jede erdenkliche Weise gedemütigt und ausgebeutet wurde, ist ebenfalls extrem offenkundig. Das Problem des Buches entspringt glaube ich daraus, dass es dem Leser so viel schneller so viel klarer wird als ihr, und man frustriert hunderte Seiten darauf wartet, dass bei ihr auch endlich der Groschen fällt. Auf der anderen Seite ist das größte Privileg ja bekanntlich, sich seiner eigenen Privilegien nicht bewusst zu sein – insofern mag das etwas sein, was Leserinnen im akademischen Betrieb auch noch einmal auf anderer Ebene anspricht. Denn ich weiß um die strukturellen Ungerechtigkeiten des akademischen Umfelds, ich hab sie aber nie erfahren. Vielleicht hätte ich das Buch dann auch insgesamt anders empfunden. ↩︎
- Aber auch andere Beobachtungen Senecas sind bemerkenswert kontemporär. Beispielsweise diese ganze Debatte darum, ob Leute Bücher überhaupt noch Lesen oder nur noch als Trophäen in den Schrank stellen, um Belesen zu wirken? Jepp: „[…] nowadays an elegant library too has joined hot and cold baths as an essential adornment for a house. I would certainly excuse people for erring through an excessive love of study; but these collections of works of inspired genius, along with their several portraits, are acquired only for pretentious wall decoration.“ ↩︎






Wen hingegen meine berufliche Arbeit als Verlagsleiter und leitender Layouter für Ulisses Spiele interessiert, findet