Das war 2020

Hallo zusammen!

Sagen wir es, wie es ist: 2020 war ein schreckliches Jahr.
Und das schreibe ich hier sehr in dem Bewusstsein, dass es für mich privat auf allerhand Ebenen eigentlich gar nicht übel war, und das ich hier in einer ziemlich privilegierten Position bin mit meiner Home-Office-Tätigkeit, ländlicher Wohnlage und schlichtweg Gesundheit.
Ich denke, es gibt dennoch keinen Weg, daran vorbeizukommen.

Auf der anderen Seiten braucht ihr mich nicht, damit euch das einer sagt. Tatsächlich ist es ja derzeit schwer, irgendjemanden zu finden, der einem überhaupt was anderes sagt. (Ich möchte derzeit auch nicht der zuständige Redakteur für einen der alljährlichen Fernseh-Jahresrückblicke sein.)
Lasst mich also einfach vorwegschicken, dass ich das weiß. Dass ich hoffe, dass ihr auch gesund seid, dass ihr niemanden verloren habt und dass ihr auch sonst soweit gut durchgekommen seid.

Wobei man auch – und damit kommen wir langsam zu all dem, was ich dieses Jahr hier so schrieb – in dieser Sache aufpassen muss, die Welt nicht zu binär zu betrachten. Denn obgleich ich gesund bin, obwohl es mir besser geht, als vielen anderen Menschen in diesem Land, trotz all dieser Umstände muss auch ich zugeben, dass so langsam auch bei mir der Lack ein wenig ab war bzw. ist. Das sehr geringe Maß an sozialen Kontakten, der Wegfall einiger fester Säulen wie unser Tanztraining, das stete Risiko sich zu sehr in der Arbeit zu verirren, weil die halt nunmal noch als Konstante Bestand hat und ein von all dem unabhängiger Schicksalsschlag, all das erfordert einfach eine kontinuierliche Selbstüberwachung und regelmäßige Kurskorrektur, was schlichtweg auf Dauer auch zehrt.
Ein in einem Klinikum arbeitender guter Freund von mir beschrieb seine Arbeitssituation die Tage mit den Worten „die Luft brennt hier“, und wie gesagt, mir ist bewusst, wie ruhig es im Vergleich bei mir ist. Ich bin dennoch erschöpft.
Beide Dinge können wahr sein.

Und – bevor ich dann aber auch zu den positiven Seiten komme bzw. das versuche – der erwähnte Schicksalsschlag war der Tod unseres Freundes Tobi, der zwar grundsätzlich ein schwebendes Damoklesschwert war, aber die Plötzlichkeit, mit der es dann passiert ist, war erschütternd.
Dazu aber demnächst noch mal weitere Gedanken, das führt uns heute, hier zu weit.

Denn trotz all dem, was ich gerade schrieb und all dem, was uns allen in den Köpfen schwebt, bleibe ich dabei, dass es im Grunde unabdingbar ist, positiv an jede Situation heranzugehen. Nicht naiv, nicht mit vor Fakten verschlossenen Augen, nicht wider besseren Wissens – aber positiv.
Ich schreibe die Erstfassung dieses Textes am 27.12., was bedeutet, das gestern die ersten Leute in Deutschland ihre Corona-Impfung erhalten haben. Ich weiß, dass wir noch Weg vor uns haben und natürlich sind jetzt schon die ersten bereit, wieder anzustimmen, dass all das doch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein war verglichen mit dem, was der Klimawandel bringen wird … was stimmt. Aber dennoch. Situation erfassen, durchatmen, einfach auch mal die Siege feiern, bevor wir uns gleich die nächste schwelende Bedrohung vornehmen.
Einatmen. Ausatmen. Kräfte sammeln.

Auch muss ich sagen, dass 2020 durchaus kreativ ein gutes Jahr war für mich. Sporenläufer ist noch nicht fertig, aber auf einem wirklich guten Weg. Ob’s 2021 erscheinen wird, sehen wir alle gemeinsam, aber ich habe sogar begonnen mit einer Künstlerin erste Worte wegen eines Covers zu wechseln, das rockt also.
Ich habe mit Dagonett einen Fantasy-Kurzfilm veröffentlicht, auf den – um das klar zu sagen – derbe stolz bin.
Auch Tanzen an der Algarve 2 ist in meinen Augen schön geworden und auch wenn man rückblickend sagen muss, dass ich im April auch noch nicht ahnte, was noch alles kommen würde, so ist Tanzen trotz Corona ein Projekt aus eben diesem Optimismus geboren gewesen, den ich vorhin erwähnte.

Mystics of Mana ist nach endlosen Jahren in einer nahezu fertigen Fassung erschienen, auf die ich auch stolz bin!
Die Karte darin ist von Hannah Möllmann gezeichnet, und dass wir Hannah dann auch noch zu Gast im DORPCast hatten ist ein weiteres Stück Wunscherfüllung gewesen.

Ein Stück ungeahnter Verantwortung kam derweil durch den Tanzverein über mich, bzw. über uns alle im Vorstand. Ob ich 2019 noch mal als Schriftführer zur Wahl angetreten wäre, wenn ich da geahnt hätte, dass ich eine relevante Zeit meiner Abende mit dem Lesen von Pandemieplänen, Schutzverordnungen und „Bekämpfungsplänen“ verbringen würde? Schwierig zu sagen.
Ich denke aber, wir haben uns der Sache insgesamt sehr gut gestellt und auch wenn glaube ich kaum einer meiner restlichen Vorstandsmenschen hier mitliest, sei an dieser Stelle auch ihnen noch mal klar Dank ausgesprochen, denn genug andere Ecken in Deutschland haben leider ja gezeigt, dass man das auch mit weniger Ruhe und ohne wachen Sachverstand betrachten kann.

Nichtsdestotrotz fehlt mir das Tanzen. Wir haben ja über den Sommer hinweg sogar für einige Monate geöffnet und unter strengen Hygiene-Regel getanzt, aber so schön das war, war es natürlich anders. Und ich gebe zu, mir fehlt dieser ungezwungene, manchmal etwas chaotische Umgang im Verein. Tänzerisches Können (und Gesundheit) waren mir immer wichtig, aber „Tanzen macht Spaß!“ immer meine Botschaft. Eine Botschaft, die natürlich leidet, wenn man – scharf formuliert – gleichzeitig andauernd darauf achten muss, die anderen nicht eventuell umzubringen.

Ein anderes Thema, was mich dieses Jahr, hier im Blog wie auch privat, immer wieder beschäftigt hat ist unser Umgang mit sozialen Medien. Den Anfang machte Nichtig und klein, worin ich generell erklärt habe, warum ich inzwischen so viele Probleme damit haben und dass ich es gewissermaßen mit Abstinenz versuchen will, ergänzt um eine Playlist mit mehr Infos. Der Artikel Alles Wichtige unter dem Himmel bot dann noch mal ein Update dazu nach fünf Monaten – und rechnet Ende dieses Monats hier mit einer Jahresbilanz. (Spoiler aber: Meine beste Entscheidung seit Jahren.)

Die andere Artikel-Trilogie des essential readings hier im Blog 2020 dreht sich um verwandte Themen, nämlich im Endeffekt die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Wenn ihr also mehr Worte von mir sucht: Five shades of grey markiert den Anfang, Misstraut den Narrativen bildet die Mitte und Die Wiederentdeckung der Komplexität bildet das Finale.
Ich glaube aber, auch mit diesem Thema bin ich noch nicht final durch.

Nun denn – kommen wir mal zum Ende. Als ich das hier schreibe, hätte ich eigentlich bereits mit Freunden im Schwarzwald sitzen wollen. Wer hier lange genug mitliest, weiß, dass diese Freunde im speziellen mehr so etwas wie eine Wahlfamilie für mich sind und es ist schade, sie gerade nicht zu sehen. Andererseits habe ich 2020 zwei Urlaube mit ihnen gehabt und das bringt uns erneut dazu zurück, dass ich wirklich nicht klagen kann. Was aber noch wichtiger ist: Ihnen geht es gut, wie mir, und insofern wissen wir ja auch alle, dass wir schlussendlich wieder zusammenkommen werden.

Und das ist glaube ich der Winkel, mit dem ich schließen möchte. Jeder von uns hat ein hartes Jahr hinter sich. Das muss man nicht untereinander gegeneinander aufrechnen, ich glaube wir können einfach akzeptieren, dass sich jeder von uns ganz individuell im Laufe des Jahres den eigenen Dämonen hat stellen müssen.
Aber dieser Spuk wird enden. Er wird nicht spurlos verschwinden, aber wir werden uns vieles von dem, was gerade außer Reichweite ist, zurückholen können.
Und darauf kommt es an.

Viele Grüße,
Thomas

PS: Morgen Medienrückblick 2020, übermorgen Ausblick 2021. Wenn ihr schon länger hier mitlest, kennt ihr das ja.

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