Alles Wichtige unter dem Himmel

Hallo zusammen!

Heute vor fünf Monaten habe ich hier im Blog den Artikel Nichtig und klein veröffentlicht, in dem ich lang und breit dargelegt habe, warum ich mich vorerst aus den sozialen Medien zurückziehen wollte. Heute vor sechs Monaten war Weihnachten, grob der Zeitpunkt an dem die Idee keimte, mit der ganzen Sache ernst zu machen.
Vor etwa einer Woche hingegen hatte ich mein siebtes Twitterjubiläum.
Nicht der schlechteste Zeitpunkt, um mal eine erste Bilanz zu ziehen. Macht’s euch bequem, ich wollte den Gedanken den nötigen Raum geben, insofern ist’s selbst für meine Verhältnisse was länger geworden.

„Alles unter dem Himmel“ war die historische Benennung des Herrschaftsanspruchs chinesischer Kaiser1. Ich mochte die Bildsprache hinter der Formulierung schon immer, will sie daher heute auch mal ausleihen, jedoch mit einem wichtigen Zuschnitt versehen. Was ist denn wichtig von all dem, was wir unter dem Himmel vorfinden und wichtiger noch: Hat mich die Social-Media-Abstinenz in der Frage vorangebracht?
Schauen wir mal.
Vorweg – dies ist wie sein genannter Vorgänger ein subjektiver Text. Weder erhebe ich einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, noch einen auf Wissenschaftlichkeit. Ersteres beanspruche ich höchstens insofern, als dass ich glaube, in meiner anekdotischen Betrachtung dennoch ein paar intersubjektive2 Punkte zu haben, sprich dass vermutlich das, was mir daran letztlich guttut, auch zumindest einigen anderen Menschen guttun würde. Letzteres gehe ich hier vielleicht auch mal an, separat, dann auch mit Quellen und Fakten, aber wenngleich ich auch dieses Mal hier und da Dinge referenziere, nehmt diesen Text als das, was er ist.

Also. Erkenntnisse?

Nun, zunächst kann man natürlich festhalten, dass ich mir ein … bemerkenswertes Jahr ausgesucht habe, um das hier durchzuziehen. Sei es nun Corona, sei es Black Lives Matter, 2020 ist vielleicht das schlechteste, vielleicht das beste Jahr, sich ein wenig von der Welt zurückzuziehen.
Aber darauf komme ich später zurück.

Fangen wir doch mal kleiner an – habe ich etwas über mich selbst gelernt? Aber ja.
Zum einen ist es eine interessante Erkenntnis, wie viel wir doch sozialmedial letztlich für unser Publikum tun. Und damit meine ich nicht mal explizit amoralische Handlungen3, nicht mal offensichtlich extern motivierte Handlungen wie das Fotografieren einer Mahlzeit vor dem Essen für Instagram, sondern … im Grunde alles.
In dem Moment, wo wir etwas teilen, entkoppeln wir uns selbst zu einem gewissen Maß vom Augenblick. Foto machen, Posting schreiben, Hashtags überlegen, Likes checken, Kommentare beantworten. All das nimmt etwas von jenem Augenblick weg. Und ich glaube, dass einem das gar nicht so klar wird, wenn man man sich selbst in der Situation befindet. (So war es jedenfalls bei mir.)
Das ist das gleiche Argument, weshalb ich Leuten immer rate, in Urlauben, bei Wanderungen etc. erst zu gucken und dann vielleicht ein Foto zu machen. Meinetwegen, wenn es euch glücklich macht, dann macht gerne ein Selfie vor der tollen Küstenlandschaft, aber schaut euch doch vorher die Küstenlandschaft erst einmal an.
Bewusst.

If nothing we do matters …

Lasst mich kurz ein Zitat zweckentfremden. An einer Stelle in der Serie Angel gelangt der titelgebende Charakter zu einer maßgeblichen Erkenntnis: „If nothing we do matters … then all that matters is what we do.“
Es ist nicht nur einer meiner liebsten Momente in der Serie, es ist auch tatsächlich eine starke Erkenntnis. Und auch wenn es bei Angel um moralische Stärke geht, um das richtige Handeln in einem Kampf zwischen Gut und Böse der so in unseren Leben nicht existiert, so lässt sich die Lektion dennoch übertragen.
Grundsätzlich nicht mal nur auf soziale Medien. Es ist der gleiche Gedanke, aus dem heraus wir schon Kindern sagen, sie sollen sich nicht verbiegen, um ihren Freunden zu gefallen. Der gleiche Gedanke, aus dem heraus wir Leuten sagen, sie sollen „einfach“ sie selbst sein, egal was andere Menschen ihnen sagen.4
Nur eskalieren wir das massiv, wenn wir beginnen, unser Tun und Treiben in sozialen Medien zu teilen. Jetzt mögt ihr widersprechen und sagen, ihr würdet euch nicht für eure Likes interessieren, euch wäre es egal, was andere sagen … aber damit seid ihr dann argumentativ grob auf einem Level mit Leuten, die einem erklären, Werbung würde sie ja gar nicht beeinflussen, auch wenn so ziemlich jede Statistik, die ich kenne, offenbart, wie fatal diese Selbst-Fehleinschätzung ist.

Ich, für mich, habe es jedenfalls als sehr befreiend empfunden, das Maß meiner Mitteilung erheblich zu reduzieren. Befreiend von etwas, von dem mir vorher nicht mal bewusst war, wie sehr es mich (belastend) beeinflusst hat.
Und hier schlägt sich entsprechend der Bogen zum Angel-Zitat; die einzigen Personen, für die ich (nicht-beruflich) Dinge tun, sind meine direkten Freunde und ich selbst. Ganz gleich ob ich koche, schreinere, wandere, ich tue diese Dinge für mich. Und ich tue in diesen Momenten genau diese Dinge (und nichts anderes nebenher) für mich.
Fokus, das ist ein verbindendes Element, was diesen aktuellen Text und meinen Artikel dieser Tage über meinen Wunsch nach Fokus beim ‚Machen von Dingen‘ zusammenführt. Das ist allerdings mehr als ein purer Zufall.
Wie oft liest man, gerade mit einem gewissen anklagenden Unterton beispielsweise gegenüber „den jungen Leuten“ oder „den Millennials“, dass die nie das Handy aus der Hand legen würden. Es ist aber eigentlich falsch, solche Beobachtungen auf das Handy zurückzuführen. Das ist nur die technische Notwendigkeit. Was Leute – und das ist überhaupt keine Generationsfrage, das gilt für jede Altersgruppe – nicht aus der Hand legen können ist das Tor zur Außenwelt. Das ist diese zu Recht gern genannte Fear Of Missing Out (FOMO), diese irrationale Sorge, dass man, egal was man tut, gerade andernorts etwas noch besseres verpasst. Wie relevant diese Verbindung ist, wurde mir aber auch tatsächlich erst grob in Monat 2 meiner Social-Media-Abstinenz wirklich klar, als ich im frühen Nachmittag bemerkte, dass ich mein Handy morgens auf dem Nachttisch hatte liegen lassen. Prä Abstinenz wäre mir das recht sicher nicht passiert.

Gemeinsam, einsam, allein?

Um kurz zwei Dinge einzuschieben: Anders als diverse Studien und Statistiken möchte ich an dieser Stelle zwei Aspekte aus dem schwammigen Begriff sozialer Medien ausklammern. Zum einen würde ich YouTube und (hypothetische) andere Videoplattformen nicht zählen, es sei denn, man engagiert sich selbst in den Kommentarbereichen dieser Seiten. Meine Nutzung von YouTube unterscheidet sich faktisch nicht von meiner Nutzung von Netflix, da mein Hauptzugang (ein FireTV Stick) die Kommentare nicht mal anzeigen kann.
Ebenso und für den folgenden Teil wichtiger: Messenger wie WhatsApp und Telegram zähle ich persönlich nicht zu dem, was unter „Social Media“ fällt, solange die Kontakte Leute aus dem direkten Umfeld sind. Die direkten Freunde, direkte Bekannte.

Denn ja, natürlich, gerade in Zeiten von Corona, Social Distancing und der Gefahr eines Lockdowns könnte man nun natürlich annehmen, dass eine doppelte Isolation durch die Abkehr von Twitter & co. auch doppelt schwer wiegen würde.
Für mich persönlich kann ich sagen: Nein, nicht wirklich.
Um auch hier möglichen Kommentaren zuvor zu kommen: Ja, mir ist bewusst, dass es Leute gibt, für die Twitter & co. wahrlich Lebensretter waren oder sind. Leute, die im Alltag keinen Anschluss finden. Leute, die vielleicht aus körperlichen oder gesundheitlichen Gründen nicht unter Menschen können. Leute, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Minderheitsgruppe oder aufgrund ihrer speziellen Interessen keinen Anschluss finden.
Ja. Weiß ich. Und natürlich ist das in dem Fall grundsätzlich eine gute Sache.

Als mich aber vor einer Weile ein Freundin fragte, ob ich denn nicht während der Pandemie nun gänzlich vereinsamen würde hier in der Eifel, musste ich selbst kurz in mich hineinhorchen, weil ich die Frage zuvor nicht erwogen hatte – aber nein, das tat und tue ich nicht. Zum einen, weil es ja durchaus Alternativen gibt, um mit Menschen in Kontakt zu bleiben; explizit erneut vor allem jenen Menschen, die ohnehin meinen Freundeskreis bilden. Wir haben während der Hochphase der Kontaktbeschränkung häufiger telefoniert, wir haben uns häufiger als sonst noch Textnachrichten geschickt und gelegentlich haben wir uns im Discord getroffen – und das war gut, wichtig, es war aber auch genug.
Es fällt nicht allen Menschen gleich leicht, auch mal mit sich selbst allein zu sein. Es fällt auch nicht allen Menschen gleich leicht, in einem akuten Moment einmal nicht konkret mit etwas beschäftigt zu sein. Aber wie ein Medikament, dass die Symptome unterdrückt, jedoch nicht heilt, sind glaube ich auch in vielen Fällen und für viele Leute soziale Medien eher ein Sedativum, in dessen taubem Schleier man gar nicht genötigt ist, sich mit solchen Hürden auseinanderzusetzen.
Ich für meinen Teil aber glaube, dass eine solche Auseinandersetzung mit sich selbst gut und wichtig ist. Es wäre polemisch und falsch zu sagen, dass uns soziale Medien pauschal zu schlechteren Menschen machen. Ich bin mir aber recht sicher, sie machen uns in dieser Hinsicht zumindest auch nicht zu besseren.

Reden wir noch mal über den 24/7 Newscycle

Neben dem Argument, soziale Medien seien, nun, sozial, ist eigentlich das, was man mir am häufigsten in den letzten Monaten entgegengehalten hat, das, dass diese Kanäle doch auch wichtige Informationsquellen seien. „Niemand“ lese heute noch Zeitung, und all das. Und boy oh boy wäre an dieser Stelle viel zu sagen, was den Rahmen sprengen würde5, darum möchte ich mich abschließend für heute auf zwei Aspekte beschränken.
Zum einen ist da der in letzter Zeit von mir hier so oft erwähnte 24/7-Nachrichtenzyklus. Wir sprachen schon darüber, aber zur Auffrischung: Die meisten Nachrichtenportale verdienen online ihr Geld über Werbung. Werbung und die zugehörigen Metriken funktionieren über Aufrufe. Das zentrale Handlungsmotiv ist es also am Ende des Tages, möglichst viele Leute dazu zu bekommen, möglichst oft auf die Seite zu gehen oder diese neu zu laden. Das Resultat ist eine völlig enthemmte Dauerbeschallung, die in keiner Relation mehr zu der Geschwindigkeit steht, in der sich Nachrichten entwickeln. Nicht einmal ein so brennendes und konstant im Fluss liegendes Thema wie Corona.
Es gibt eine Reihe von Eckpunkten, an denen man diese Entwicklung nachzeichnen kann, auch vor sozialen Medien. 9/11 war so ein Fall. Terrorismus hatte es immer gegeben, aber neben dem schieren Maßstab dieser Anschläge darf man auch nicht unterschätzen, dass in diesem Fall die ganze Welt live zuschauen konnte. Gerade auch durch den relativ großen zeitlichen Abstand zwischen Einschlag der Flugzeuge und Fall der Türme hatten viele Menschen die Chance, noch einzuschalten und aus den Ereignissen in New York eine kollektive Erfahrung zu machen.
Nur dass das heute im Grunde für alles zu gelten scheint. Als beispielsweise Notre Dame brannte, gab es wenig, was jeder individuell beitragen konnte. Natürlich war es ein wichtiges Ereignis, natürlich betraf es ein zentrales kulturelles Werk der westlichen Welt, aber am Ende des Tages brannte ein Gebäude. Es gab Löscharbeiten. Dann dauerte es noch mal lange, den genauen Schaden zu bestimmen. Indem wir dieses Ergebnis nun aber nehmen, mit konstanten Live-Berichten durch die ganze Nacht versehen, mit einem Nachrichtenticker, kontinuierlichen Updates, indem wir es für jene, denen das wirklich nahegeht, über Stunden hinweg immer tiefer einmassieren, wie schrecklich die Bilder sind und indem wir gleichzeitig jenen eine Bühne bereiten, die schon früh gewillt waren zu erklären, die anderen sollten mal nicht so betroffen sein wegen eines brennenden Hauses wenn in der Welt doch zugleich dieses oder jenes andere, vielleicht schlimmere Ereignis auch stattfände – indem wir all dies tun, machen wir nichts besser.

Zumal ich auch guten Gewissens sagen kann, dass ich mich nicht schlechter informiert fühle. Ich hatte das in meinem letzten Artikel zu dem Thema ja schon so formuliert, aber es ist nun wirklich so, dass wir über diese Kanäle nicht besser informiert werden, nur mehr.
Es gibt zweifelsohne Kategorien von Nachrichten, die haben eine immanente Rechtfertigung für einen konstanten Informationsfluss. Unwetter beispielsweise, wo es für die Leute womöglich akut und kurzfristig handlungsrelevant ist, wie sich die Lage entwickelt.
Aber das sind die seltenen Ausnahmen.

Niemand braucht meinen Hot Take

Die andere, für mich große Erkenntnis, die spätestens durch mein Projekt für mich selber immer klarer wurde, ist eng damit verbunden. Es ist die klare Erkenntnis, dass es viele Themen gibt, zu denen niemand meinen Hot Take braucht. Das habe ich im Falle von CoVid-19 und jüngst im Falle von Black Lives Matter ja auch bewusst so nach außen kommuniziert. Es gibt Themen, von denen habe ich womöglich mehr Ahnung als viele andere, und dort spricht nichts dagegen, dass ich mich mitteile. Aber in vielen, vielen anderen Fällen braucht die Welt meine Meinung nicht.
Und, liebe Leserin, lieber Leser, deine auch nicht.
Dass jeder zu allem eine Meinung hat, geht völlig in Ordnung. Dass jeder zu allem seine Meinung auch mit allen teilen möchte, das fällt wohl auch in die Kategorie der Dinge, die nichts besser machen.
Wenn an vielen Stellen im Internet aufgerufen wird, eure Meinung in die Kommentare zu posten oder eben euch über soziale Medien zu Wort zu melden … dann geht es oft nicht um eure Botschaft. Erneut geht es um Klicks, es geht darum, dass Engagement mit Postings deren intrinsische Reichweite erhöht.6 Was es allerdings schafft, ist eine Umgebung, in der eben doch jeder aufgerufen scheint, seine Stimme mit in dem Chor der Meinungshabenden einzureihen – doch selten in einer Form, die uns weiterbringt. Ihr lest dort dann Leute, deren Meinung sich mit eurer deckt; das freut dann. Ihr lest aber auch Leute, die die Gegenposition vertreten, und das ärgert dann. Das ärgert euch, aber auch die Leute untereinander, weshalb es vermutlich nicht lange dauert, bis die ersten Menschen sich angiften. Das mag sich im ersten Moment toll anfühlen, wie ein Eintreten für eure Meinung und die Meinungsfreiheit insgesamt – es bringt nur niemanden weiter. Denn sinnvolle Diskursbeiträge erwachsen daraus nicht, das Gespräch bleibt fundamental leer, weil man ja doch nur reihum seine Meinung auf den Tisch legt und keinerlei Wechselwirkung stattfindet.7 Und je öfter ihr eure Meinung auf den Tisch legt und öfter euer Gegenüber nicht drauf eingeht, desto unglücklicher werdet ihr. Wann immer ihr denkt: „Oh Gott, wie oft muss ich das den Leuten denn noch erklären“ – immer dann kratzt ihr an diesem Punkt.
Ich weiß, dass es mir oft genug so ging.
Oder, weil ich ja doch nicht umhin kommen kann, mal wieder einen Marcus-Wiebusch-Liedtext zu zititeren, wie es Kettcars Den Revolver entsichern so treffend heißt:

Keine einfache Lösung haben, ist keine Schwäche.
Die komplexe Welt anerkennen, keine Schwäche.
Und einfach mal die Fresse halten, ist keine Schwäche,
nicht zu allem eine Meinung haben, auch keine Schwäche.

Fazit, Junge!

Je mehr ich mich von den sozialen Medien distanziere, desto mehr erkenne ich sie – zur Erinnerung, subjektiv, für mich – als einen Ort, der mich persönlich bestenfalls nicht positiv, eher aber negativ beeinflusst hat.
Sie suggerieren eine Chance auf Meinungsaustausch und Informationserwerb, sind aber in meinen Augen weder für das eine noch das andere geeignet; schon alleine, weil die Interessen der Plattformbetreiber und teilweise auch jener, die die Inhalte bereitstellen, in keiner Weise mit einer solchen Bestrebung kompatibel wären.
Sie sind in meinen Augen zugleich immanent manipulativ und möchten uns zu Verhalten verleiten, was im Endeffekt nicht gut für uns ist. Im Gegenteil denke ich, dass sie im Grunde verhindern, dass wir, losgelöst von der Anerkennung anderer, Selbstzufriedenheit erfahren.

Ich bin nun seit etwa einem halben Jahr nicht in den sozialen Medien aktiv – und ich kann ehrlich sagen, dass ich seither weit ausgeglichener und glücklicher bin. Wie zuvor sage ich nicht, dass das für euch auch gelten muss. Aber wenn ihr irgendwo auch das Gefühl habt, dass es euch alles weniger gibt, als es nimmt, wenn ihr das zumindest in Betracht zieht – dann zieht doch auch in Betracht, eurer Online-Persona ein Ende zu bereiten.
Eines jedenfalls kann ich sicher sagen – ich werde dem ganzen Zinnober wohl auch weiterhin erst einmal fernbleiben.

Viele Grüße,
Thomas


  1. Disclaimer am Rande: Natürlich ist Tianxia ein weitaus komplexeres Thema und lohnt sicher auch mal einer näheren Betrachtung. Aber … machen wir es uns nicht komplizierter als nötig. 
  2. Wir unterscheiden ja alltagssprachlich zwischen subjektiv und objektiv, aber erkenntnistheoretisch extrem wichtig ist auch die Kategorie intersubjektiver Erfahrungen – also Erfahrungen, die zwar persönlich, aber von mehr als einer Person gemacht werden können. Bestätigte Ergebnisse aus Experimenten sind nicht zwingend direkt objektive Wahrheiten, aber eben intersubjektive Erkenntnisse. Auch das – im Kern genug Thema für einen eigenen Artikel. 
  3. Wer den Bereich in einer rein narrativen Form beleuchtet haben möchte, kann etwa zu Corridor Digitals neuem Kurzfilm You Monster greifen. 
  4. Das aus einem YouTube-Kanal entsprungene Rollenspiel-inspirierte Lied Literally Everyone Else in the World hat da ein paar verdammt ins Schwarze treffende Verse, wenn sie singen:
    You’ll be told „Don’t worry what people say, be yourself!“
    Which is right but it’s alarming cause it reveals that there are people who don’t want you to be yourself at all
    It’s hard to just be one person
    One person is a lot for one person to be
     
  5. Weiterführende und über diesen Artikel hinausgehende Diskussionsanregungen für die Schulklasse nach der Lektüre wären unter anderem die maßgebliche Verbreitung von Fake News über soziale Medien, die Existenz von Echokammern, die notwendige Verkürzung von teils eigentlich nicht zu kürzenden Meldungen für umfangsbeschränkte Dienste, die sich selbst verstärkenden Empörungs-Effekte der Outrage-Ökonomie, das Ausbleiben rechtsstaatlicher Prinzipien in der „Schuldig bei Anklage“-Mentalität verschiedener Netz-Gruppen und natürlich die Frage, inwiefern all diese Aspekte zur fortschreitenden Polarisierung der Gesellschaft beitragen. Alles gute Themen – aber für ein anderes Mal. 
  6. Ich bin mir bewusst, ähnliche Worte am Ende eines jeden DORPCasts zu sagen und das muss ich in dem Kontext akzeptieren. Wenngleich DORPCast-Kommentare weder die Reichweite noch irgendein werbefinanziertes Einkommen für uns beeinflussen; etwas anderes wäre es denke ich, wenn wir die Diskussionsaufforderung auf Facebook und Patreon ausweiten würden. Was wir bewusst nicht tun. 
  7. Das ist hier jetzt erst einmal steil behauptet, ich weiß. Erneut – das machen wir mal wann anders als eigenes Thema. Ihr könnt das jetzt erst mal akzeptieren, könnt selber Pressetexte und Forschung zu dem Thema lesen oder mir diese Prämisse auf dem Weg zur Konklusion in Frage stellen, das überlasse ich euch. 

Ein Kommentar zu “Alles Wichtige unter dem Himmel

  1. Ich habe mich auch Ende 2019 von allen Accounts gelöst (außer YouTube und meinem Blog), weil ich es einfach nicht mehr aushielt in dieser verschobenen digitalen Welt. Es war das Beste, was ich für mich tun könnte. Ich freue mich gerade sehr, deinen Artikel zu lesen und jemanden gefunden zu haben, der nicht nur zur gleichen Zeit agierte, sondern auch ähnliche Eindrücke hat, wie ich.

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