Anfang und Ende sind ein und dasselbe (Urlaubsgedanken)

Hallo zusammen!

Da bin ich wieder. Ihr habt es vielleicht gemerkt, ich habe mir den Januar nach den üblichen Neujahrs-Artikeln noch mehr oder weniger freigenommen vom kreativen Schaffen, inklusive dieser Webseite. Einerseits weil ich einen guten Teil dieser Zeit ohnehin verreist war, andererseits aber auch, um noch etwas weiter Kraft zu tanken.
Denn, das kann man ja auch nicht oft genug sagen – selbst Dinge, die man wirklich gerne tut, muss man manchmal einfach einen Moment ruhen lassen, und sei es, um sich seiner selbst zu vergewissern.

Es war auch ein Urlaub, eine Reise, die mir viel Material zum Nachdenken gegeben hat. Auf der einen Seite war es so, wie ihr das vielleicht aus früheren Artikeln von mir schon kennt – es war der Schwarzwald, es war reich an Schnee, ich war dort mit den gewohnten Leuten und es war, wie immer, eine wunderbare Zeit.
Zugleich hatte es etwas bittersüßes an sich, denn zumindest auf diesen speziellen Ort, auf diese spezielle Bleibe, werden wir in Zukunft keinen Zugriff mehr haben. Wir waren dort, zumindest präzise dort, ein letztes Mal.

Der Schwarzwald hat sich von uns dann auch in all seinen Facetten verabschiedet. Als wir ankamen, war es dort so warm, dass ich meine erste Wanderung im T-Shirt absolviert habe – am Neujahrstag!
Wenige Tage später allerdings lag alles unter einer dichten, weißen Pracht begraben und bei meiner letzten Tour vor der Rückreise stand ich zwischenzeitlich bis zum Hüftgelenk im Schnee.

Und das schlägt etwas verborgen die Brücke zum Titel dieses Artikels. Denn während wir dort in Urlaub waren, habe ich wie immer auch allerhand gelesen, und eines der Bücher, das ich dort ausgelesen habe war Der Herr des Wüstenplaneten, der zweite Dune-Band in der übrigens wieder sehr souveränen Neuübersetzung von Jakob Schmidt. Jedenfalls war es im hinteren Drittel dieses Buches, dass ich an einem Zitat vorbeikam, das auch diesem Artikel hier den Titel leiht: Anfang und Ende sind ein und dasselbe.
Etwas zuvor im gleichen Kapitel bezeichnet die gleiche Figur die Umstände ihres Daseins zudem als „ewiges Anfangen“, und ich muss sagen, diese Worte klangen für mich dort besonders nach. Dort, an einem Flecken Erde, an dem ich in Summe doch nicht wenige Wochen meines Lebens verbracht habe, in einer Bleibe, in der ich manches Buch gelesen, manchen Film gesehen, aber wichtiger noch: manche Erinnerung gemacht hatte.
Denn ja, es war das Ende dieser Urlaube.
Und es ist, so hoffen wir alle, zugleich der Anfang neuer Urlaube. Ein Kapitel ist geendet, ein Kapitel beginnt, aber das Buch, unser Buch ist nicht vollendet.

Es ist letztlich nicht anders als so ziemlich alles im Leben. Frank Herbert war ein kluger Kopf und seine Wüstenplaneten-Romane spiegeln das an vielen Stellen wider, aber diese eine Zeile traf mich.
Ich denke, sie trifft nicht nur im Hinblick auf unseren Urlaubsort. Das Ende des Jahres 2021 bedeutet unausweichlich den Anfang des Jahres 2022. Die Flut letztes Jahr markiert eine Zäsur, die ein klares davor und danach beschreibt. Und hoffentlich markiert irgendwann das Ende des Corona-Pandemie zugleich den Anfang dessen, was ihr nachfolgt. So wie halt mit allem im Leben.
Auch der scheinbare Schnelldurchlauf der Jahreszeiten, den ich zuvor beschrieb, fügt sich – wie jedes Jahr – in dieses Bild. Das Ende von Sonnenschein und T-Shirt-Wetter gab den Weg frei für Schneepracht und friedliche Ruhe. Und deren Ende wird unweigerlich den Anfang der nächsten warmen Jahreszeiten einleiten.
Anfang und Ende sind ein und dasselbe.

Ich fand dies auch einen interessanten Gedanken, um mein inzwischen quasi alljährliches „Neubewerten“ der Dinge in meinem Leben vorzunehmen.
Am Ende passen nur soundsoviele Hüte auf unsere Köpfe, und es ist wichtig, dem bewusst zu begegnen.
Was ist uns wichtig? Wofür geben wir unsere Zeit her? Sind die Dinge, die wir für zentrale Bausteine halten, wirklich noch die Mitte unseres Daseins, oder ist es vielmehr eigentlich nur verjährte Gewohnheit, dass wir es so empfinden?
Gravierender: Wenn wir Dinge finden, bei denen wir mit etwas Abstand betrachtet einräumen müssen, dass sie nicht mehr für uns sind, was sie einmal waren – was dann? Dann, so finde ich, ist das obige Zitat ein tröstlicher Anker. Etwas zu beenden bedeutet zugleich, etwas anderes zu beginnen. Jedes Ende ist ein Anfang – und umgekehrt ist jeder Anfang zwangsläufig ein Ende, wenn das Alte Platz schaffen muss für Neues.

Ich glaube, es ist oftmals in Ordnung und manchmal unausweichlich, Dinge gehen zu lassen. Minimalismus und das Begrenzen dessen, was wir besitzen, wird inzwischen ja auch gerne mal diskutiert, aber vermutlich greift es zu kurz, wie dem oft rein materiell begegnet wird.
Es passen nur soundsoviele Hüte auf unsere Köpfe.

Ich kehre erholt und frohen Mutes wieder, das kann ich sagen. Der Abstand war gut, war gesund, und wer sich nicht wenigstens einmal im Jahr die Zeit nimmt, bewusst seine Prioritäten zu hinterfragen, dem möchte ich zumindest raten, das mal in Betracht zu ziehen. Manchmal muss man denke ich einfach eine Woche fokussiert abseits aller Bildschirme einen Schrank schreinern oder ausgedehnt durch Wälder wandern, auch um einschätzen zu können, ob man eigentlich aus Lust oder aus Routine an die Tastatur zurückkehrt.
Wir werden nicht das letzte Mal miteinander in Urlaub gefahren sein, da bin ich sicher – und ich bin jetzt schlichtweg gespannt, was die Zukunft für uns dort noch bereithalten wird.
Eigentlich ja eine gute Grundhaltung für alles, was noch kommen wird, denke ich.

Viele Grüße,
Thomas

PS: Eine Galerie mit vielen weiteren meiner Schwarzwald-Impressionen gibt es ab Mittwoch hier an dieser Stelle!

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