Sporenstopper

Hallo zusammen!

Ich hatte ja jetzt schon mehrfach erwähnt, dass es mit meinem (eigentlich) aktuellen Romanprojekt Sporenläufer hakt und wollte immer mal ein paar Zeilen darüber schreiben, warum das so ist – nun, dies hier sind diese Zeilen.

Tatsächlich gibt es ein paar Punkte, mit denen ich hadere – vor allem aber einen, der am Ende den Ausschlag gab, so nicht weiterzumachen. Das beginnt beim Umfang. Nun sind umfangreiche Bücher ja durchaus angesagt und auch nicht per se verwerflich, aber wer mich kennt oder hier schon länger mitliest, weiß, dass das nur so bedingt meine Vorliebe beschreibt. Ja, es gibt Bücher, die haben ihren hohen Umfang einfach völlig zu Recht. Es gibt aber auch sehr viele, bei denen ich mir denke … Leute, das hätte man eindampfen können.
Ich weiß wie gesagt, das ist Geschmacksache, aber ich hatte zunehmend das Gefühl, dass das Buch in eine Richtung ging, die ich als Leser nicht gewollt hätte. Definitiv ein Alarm-Kriterium.

Das wiederum hat glaube ich gleich zwei Wurzeln: Einerseits ist das Buch strukturell momentan mehr so … drei Bücher. Ein Krimi, eine höfische Intrige und ein Reiseabenteuer. Kann man sicherlich alles machen. Geht aber nicht zwingend alles gut zusammen.
Andererseits ist da auch einfach der Faktor zu nennen, dass das Buch sehr, sehr viel Worldbuilding beinhaltet. Also all diese Passagen, die dazu dienen, einem Leser Wissen über und Orientierung in einer Welt zu bieten, die nicht die seine ist. Das Problem ist dabei gar nicht die Existenz von Worldbuilding – sondern vielmehr, dass so viel davon nötig ist.
Wenn ich jetzt also ein Buch habe, dass sich schwer tut sich zu entscheiden, welche Geschichte es erzählt, in einer Welt, die dem Leser aufgrund vieler Feinheiten dauernd erklärt werden muss … definitiv noch ein Alarmsignal.

Aber dann ist da der wirkliche Elefant im Raum: Sporenläufer erzählt die Geschichte einer Welt, die von einem eigenartigen Pilz überwuchert wurde. Dieser Pilz ist scheinbar überall, nur durch eine konsequente Abriegelung kann der Ort der Handlung sich vor dem Befall schützen. Ein- und Ausreisen sind nahezu unmöglich, Freiheiten werden stark beschnitten und Befallene erwartet auch abseits der Infektion kein gutes Schicksal. Außerhalb dieser Zone müssen Leute Masken tragen, da die Sporen sich auch über die Atemluft verbreiten können … und ahnt ihr schon, warum das irgendwie schwierig ist gerade?
Das Konzept für das Buch ist weit älter als die Pandemie. Der Ursprung der Pilz-Idee ist im Herzen vor allem Nausicäa aus dem Tal der Winde entsprungen und keinen Deut SARS-Cov-2, die Masken waren immer eher Weltkriegs-Gasmasken und keine medizinischen Mund-Nase-Bedeckungen – aber ich möchte ja mit meinen Büchern eigentlich vor allem leichten Eskapismus bieten und ich fürchte, in dem Punkt hat die Realität mich einfach brutal eingeholt.
Und das wirklich allerletzte, was ich wollte, wäre, dass Leser da am Ende – abseits aller Autorenmeinung wohlgemerkt – einen Schlüsselroman wider der Corona-Maßnahmen drin sehen.
Wo aber Buchumfang und Weltgestaltung generell noch zu beeinflussen sind, ist der Infektions- und Befall-Aspekt ebenso untrennbar mit der Geschichte, die ich erzählen möchte, verbunden wie einige Fragen zur Glaubwürdigkeit und den Motiven der Machthaber. Das Buch heißt ja mit Grund Sporenläufer.
Letztlich sehe ich mich da in einer Verantwortung, eine mögliche, ungewollte Steilvorlage für Impfskeptiker und Corona-Leugner einfach nicht im aktuellen Klima zu veröffentlichen.
(Nebenbei, einfach weil: Lasst euch bitte impfen, wenn ihr könnt und haltet euch an die Regeln.)

Wenn ich von einer Geschichte spreche, die ich erzählen möchte, ist die Gegenwartsform Absicht – denn ich möchte den Roman noch immer vollenden. Aber ohne die Last der aktuellen Pandemie, ohne den thematischen Schatten, der damit einhergeht – und vermutlich, nachdem ich die ganze narrative Struktur noch mal neu gedacht habe.
Denn das Schreiben an sich lief gut. Ich mag meine Figuren, ich mag meine Welt – sie ist ultra-lose mit meiner Kurzgeschichte Vater, die trommeln wieder verbunden, aber im Kern ganz neu –, ich mag auch die Grundidee meiner Geschichte. Sogar, was ich schon geschrieben habe, liest sich finde ich gut.
Aber halt nicht so.
Und nicht jetzt.

Ich habe mich natürlich auch gefragt, ob das womöglich einfach nur eine (für mich) neue Form von Imposter-Syndrom oder dergleichen ist – aber ich glaube das kann ich verneinen. Da halte ich mich eigentlich für reflektiert genug.
Ich sage ja immer wieder gerne, dass eine gute Geschichte mehr sein sollte als die Summe ihrer Teile. Dieser Roman, derzeit, ist weniger. Und das wäre ja schade.

Aber hey, neue Projekte sind schon am Start – tatsächlich sogar in Arbeit. Aber ich fordere mein Glück mal nicht heraus und erzähle diesmal dann erst mehr, wenn die Sache wenigstens bis zu den Testlesern ist.
Es geht jedenfalls wieder ins Thriller-/Horror-Territorium. Vertraute Gefilde, sozusagen.

Viele Grüße,
Thomas

2 Kommentare zu “Sporenstopper

  1. Hui – ich wäre gespannt die Geschichte zu lesen, aber unter diesen Umständen: Nachvollziehbar. Du könntest natürlich die Geschichte mit einem Disclaimer und Vorwort versehen – aber diese kann man auch übersehen und ignorieren, wenn man es drauf anlegt.
    Egal wie lange die Geschichte verzögert wird – ich würde trotzdem ein Vorwort schreiben, nur um ganz sicher zu sein ;) Ich bin aber auch kein Autor und stelle immer wieder fest, wie mies ich im creative writing bin, wenn es nicht um analytische Essays geht.

    • Moin!
      Wie gesagt, irgendwann kommt die auch – auch ohne das COVID-Problem habe ich ja noch das Struktur-Problem zu lösen. Vielleicht mit Disclaimer – schauen wir mal, wie die Welt bis dahin aussieht.
      Vorwort ist unwahrscheinlich, weil ich eigentlich immer will, dass Leser egal was sonst passiert, zuerst die Geschichte lesen können. Aber Nachworte haben meine Bücher ja eigentlich immer :)

      Viele Grüße,
      Thomas

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