Vom Privileg, das Ende einer Geschichte zu erleben

Hallo zusammen!

Ich fange so langsam hinter den Kulissen an, meine üblichen Jahresrück- und -ausblicke hier zu formulieren und als ich so auf die Medien 2019 und 2020 guckte, kam mir ein Gedanke, den ich kurz mit euch teilen wollte.

Aber vorweg zwei Disclaimer:
Disclaimer 1: Auch wenn dieser Beitrag Corona und Medienkonsum behandelt, soll das selbstredend nicht heißen, dass das derzeit unser oberstes Problem wäre. Es ist ein Aspekt, aber viele andere sind wichtiger. Haltet euch an die Regeln, gebt Acht auf euch … wisst ihr alles, oder?
Disclaimer 2: Das Wort „Privileg“ ist gerade in diesem Jahr zu einem sehr politisch aufgeladenen Begriff geworden. Ist hier nicht so gemeint. Ich habe aber auch kein Synonym gefunden, was es besser gemacht hätte. Okay? Okay.

Also … 2019 ist Game of Thrones nach acht Staffeln geendet. Unter viel Gezeter, um das es heute hier nicht gehen soll, aber dennoch: Eine Serie, bei der ich eingangs einfach hoffte, dass sie noch eine zweite Staffel bekommen wird, ist nach insgesamt acht Jahren auserzählt ins Ziel gegangen.

2019 erschien mit The Rise of Skywalker auch der neunte und letzte Teil der Skywalker-Saga, also der bisherigen Kernerzählung des Kriegs der Sterne. Unter viel Gezeter, um das es heute hier nicht gehen soll, aber dennoch: Gut vier Jahrzehnte nach Erscheinen des ersten Star-Wars-Films wurde dieses ursprüngliche Epos in neun Akten nun beendet.

2019 erschien außerdem Avengers: Endgame, der 22. Kinofilm des Marvel Cinematic Universe und der wahrhaft bombastische Abschluss des Plotbogens, der quasi vom ersten Iron Man bis hierhin führte. Erstaunlicherweise ohne großes Gezeter hat Marvel damit etwas vollbracht, was in dieser Form im Kino noch nicht vorgekommen war. Ich weiß noch, dass ich letztes Jahr unentschlossenen Freunden gerade darum riet, in den Film zu gehen, einfach weil es Kinogeschichte war, die dort geschrieben wurde.

Ich ahnte da natürlich noch nicht, dass Kinos – wie jeder Aspekt unseres öffentlichen Lebens – dieses Jahr nun auf eine Probe gestellt wurden, wie wir sie zu unseren Lebzeiten noch nicht erlebt haben.
Und das bringt mich zu meinem Punkt: Wäre Corona einfach ein Jahr früher dran gewesen, hätten wir all das so nicht erlebt. Na gut, Game of Thrones vermutlich schon, aber den Rest nicht.

Ein ähnlicher Gedanke kam mir auch noch mal, als dieses Jahr Black-Panther-Darsteller Chadwick Boseman viel zu früh verstarb – natürlich gibt es genug andere Franchises, wo Darsteller vor Vollendung verstarben und natürlich hat auch das MCU schon Darsteller ersetzt … aber so ist es halt doch einfach besser.

Und das ist, wenn uns 2020 da ein Lehrmeister sein kann, nicht selbstverständlich. Natürlich enden auch dieses Jahr noch Franchises (Supernatural etwa ist ja gerade nach 15 Jahren ins Ziel eingelaufen), natürlich wandern auch viele Releases von diesem Jahr dann halt in das nächste.
Dennoch, noch mal: Selbstverständlich ist das nicht.
Es ist so leicht sich darüber zu echauffieren, dass The Dark Knight Rises weniger packend war als sein Vorgänger. Es ist einfach, die Macher von Lost für ihre Arbeit zu schelten, auch wenn die Problemquellen vielleicht gar nicht in ihrem Einflussbereich lagen. Man kann sicher argumentieren, dass das Ende des Battlestar Galactica-Remakes nicht wirklich ein sauberer Deckel für das Vorangegangene war. Aber all diese, viele andere und eben auch die eingangs genannten Medien haben ein Ende bekommen. Und Fans von Firefly, von Terminator: The Sarah Connor Chronicles, der US-Fassung von The Returned, von Crusade und und und1 haben da sicherlich andere Geschichten zu berichten.

Das ist vielleicht auch kein verkehrter Gedanke, um ihn mitzunehmen wenn unweigerlich das nächste Mal ein Franchise, eine TV-Serie, ein Buchzyklus endet und es auf eine Weise geschieht, die einem selbst nicht gefällt. Als Kunde kann man sich also durchaus einfach auch mal freuen, dass es immer wieder tapferen Medienmachern gelingt, ihre Geschichten zu einem Endpunkt zu erzählen – und ich zumindest finde, das ist etwas, für das man durchaus auf eine abstrakte Weise dankbar sein kann.

Aber noch stärker wiegen diese Gedanken ehrlich gesagt als Medienschaffender auf mir. Diese Leben, die wir leben, sind fragil. Es gibt so viele Punkte, an denen man gesundheitlich, psychisch, politisch, beruflich, wirtschaftlich, menschlich in eine Lage kommen kann, in der es nicht mehr möglich ist, das eigene Wunschprojekt abzuschließen. Vielleicht nicht jetzt, vielleicht niemals.
Und insofern: Das Leben ist ja gerade nicht einfach, die Pandemie ist etwas, unter der viele leiden und auch die (völlig wahre) Erkenntnis, dass es alles noch viel schlimmer sein könnte, hilft einem in den schweren Momenten kaum, sich mit der eigenen Lage besser zu fühlen. Aber vielleicht, vielleicht ist das ja ein Winkel, der manchmal etwas hilft – wenn ihr euer nächstes Projekt, ganz gleich was es ist, fertig habt, nehmt nicht nur den Erfolg mit, das Wissen, die To-Do-Liste reduziert zu haben und all das, sondern nehmt auch die klare, banal klingende und dennoch wichtige Botschaft mit, dass es euch gegeben war, dieses Werk zu vollenden.

Denn: Selbstverständlich ist das nicht.

Viele Grüße,
Thomas


  1. Vermutlich liest hier auch irgendjemand mit, der spontan an Angel denkt. Irgendwann schreibe ich hier mal sehr, sehr spoiler-lastig darüber, warum ich das Ende von Angel für eine Sternstunde des Fernsehens halte, denke ich. Ebenso das Staffel-2-Finale von Millennium

2 Kommentare zu “Vom Privileg, das Ende einer Geschichte zu erleben

  1. In der Tat ist es ein Privileg etwas beenden zu können. Es ist immer ein Meilenstein, wenn man es selbst initiiert hat, finde ich und es gibt einem einfach ein gutes Gefühl, egal welches Projekt.

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