Hinter den Kulissen von Dagonett

Hallo zusammen!

Gestern habe ich euch hier (und primär auf YouTube natürlich) Dagonett präsentiert, unseren neuen Kurzfilm. Heute dachte ich mir, erzähle ich euch dann noch ein bisschen was dazu. Jetzt weniger auf einer technischen Ebene1, aber generell dazu, wieso der Film ist, was er ist.

Verpasst?
Kein Problem:

Dagonett ist nach Actuarium mein zweiter Kurzfilm, den ich in Condra angesiedelt habe, also dem Setting unseres gleichnamigen LARP-Vereins.
Und wie schon beim Vorgänger ging es mir dabei erneut nicht darum, dieses LARP-Setting nun zwingend Leuten zu erklären, sondern wirklich einfach nur ein einzelnes Schlaglicht dort hineinzuwerfen. Da fallen verschiedene Begriffe – der Vogt, die Stadt Schieferbruch etc. – in dem Film, die halt den meisten von euch nichts sagen werden. Aber das ist völlig okay; ich denke, es ist sogar unerheblich.
Es ist so wie der Aufbau der klassischen Kurzgeschichte in der deutschen Literatur: Weder kennt der Zuschauer/Leser den Ausgangspunkt, noch das absolute Ende der Erzählung. Mein steigt gewissermaßen zu, folgt der Geschichte und verlässt Condra anschließend wieder.

Alle Fotos in diesem Artikel sind © by Lichte

Anders als beim Vorgänger ist der titelgebende Dagonett aber tatsächlich zumindest eine Figur, die aktiv bei uns bespielt wird – und insofern war das Casting auch einfach, denn natürlich sollte der Charakter von seinem Spieler, in dem Falle Tim, verkörpert werden.
Die Gefangene und ihr Aufpasser wiederum werden von den Eheleuten Julia und Dennis gespielt. Fun Fact hier – tatsächlich hatte ich zwar von Anfang an beide konkret im Sinn für diesen Film, es war mir aber im Grunde egal, wer von beiden das Opfer wird; das konnten sie sich selbst aussuchen. Insofern ist es nun am Ende Julia, die Dagonett vorgeführt wird, es hätte in einer alternativen Realität aber auch genau anders herum sein können.
Dass ich dann tatsächlich auch mal kurz vor die Kamera getreten bin, um den Priester am Anfang zu mimen, hatte auch logistische Hintergründe: Es war für die beiden Sätze und die eine Einstellung einfach unsinnig, noch jemanden in den Wald zu karren. (Und, ich gebe zu, ich wollte meine schicke Priesterklamotte endlich mal wieder für was nutzen.)

Actuarium war damals eigentlich vor allem als Testballon geboren, unter anderem um unsere praktisch am Set realisierten Blut-Effekte zu erproben. Dagonett war zwar eine schöne Gelegenheit, daran weiter zu feilen, aber es wäre falsch zu behaupten, dass es weiterhin ein Testballon war. Das war einfach ein Film, den ich machen wollte.
Mir ist natürlich klar, dass wir hier am Ende des Tages „nur“ von knapp zehn Minuten Kurzfilm reden, aber dennoch, es war einfach eine Geschichte, die ich erzählen wollte.

Es ist dabei auch durchaus mal ganz spannend, Filme so ganz in Eigenregie zu machen. Natürlich unter Rückgriff auf ein tolles, von vielen Menschen über Jahre etabliertes Setting, und natürlich nur dank der Unterstützung meiner tollen Darsteller sowie Gérard und Lichte hinter der Kamera, ohne all das wäre es nicht möglich. Aber anders als etwa unsere Eifelarea-Projekte sind die Condra-Kurzfilme halt tatsächlich Autorenfilme; es ist nicht besser oder schlechter als die deutlich kollaborativere Inszenierung dort, aber es ist einfach spannend, wirklich durchgehend die Kontrolle zu haben.

Und tatsächlich haben die Condra-Filme ja irgendwie sogar eine Botschaft. Ich wäre nicht ich, wenn ich euch die jetzt einfach sagen würde, aber die Frage, welcher Zweck welche Mittel heiligt – oder wie Dagonett sagt: Handlungen und Konsequenzen – steht im Grunde immer oben auf meinen Planungsskizzen für diese Filme.

Wird es mehr davon geben?
Ja, wenn es nach mir geht definitiv.
Nun haben wir ja gerade eine Pandemie in der Welt und das macht auch in unserem Bereich die Dinge nicht gerade einfacher, aber ja, ich habe da mindestens noch … zwei Ideen für weitere Filme im Sinn.
Den Arbeitstitel des nächsten Films, Laudate, hatte ich hier glaube ich ja auch schon mal erwähnt. (Im Prinzip sind beide Filme das, was ich bisher als Laudate bezeichnet habe; es zeigte sich nur zunehmen, dass es alles mehr Sinn ergibt, wenn ich nicht versuche, alle Ideen gleichzeitig in einen Film zu pressen.)

Und wenn ihr darüber hinaus noch mehr Geschichten aus Condra konsumieren wollt, dann ist da natürlich noch Geschichten aus Condra: Die Blaue Gans, unsere jetzt auch schon fünf Jahre alte Kurzgeschichten-Anthologie.2
Übrigens neben einer Geschichte von mir auch mit einer von Tim, unserem Dagonett, mit einer von Julia (damals noch Fink), unserem Opfer, und einer von Susanne, der Bogenschützin aus Actuarium.

Mir liegen diese Condra-Geschichten wirklich, wirklich am Herzen und insofern hoffe ich, ihr hattet euren Spaß daran. Und ich hoffe natürlich, auch wenn immer recht viel Zeit zwischen den Projekten liegt (und Corona nicht hilft), dass ihr euch auch schon auf einen nächsten Teil freut!

Viele Grüße,
Thomas


  1. Für die Technik-Menschen unter euch: Gefilmt mit einer Sony Alpha 6300 und einer namenlosen China-Festbrenntweite, deren Look ich irgendwie einfach sehr mag. Die Dialoge sind komplett am Set aufgezeichnet, wozu wir ein Zoom H4n SP genutzt haben. Schnitt, Farbbearbeitung und digitale Effekte komplett mit DaVinci Resolve. 
  2. „Sollte da nicht auch mal ein zweiter Teil kommen?“, fragt ihr, woraufhin ich nicke, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr sagen möchte. 

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