Die Freude am Erleben

Hallo zusammen!

Das war es dann also – das wohl heißeste Wochenende des Jahres 2012. Ja, durchaus, es ist all seinen Vorschusslordbeeren völlig gerecht geworden; und ich hatte euch ja versprochen, noch ein wenig auf meinen Sonntag einzugehen.
Den haben wir mit Location-Scouting verbracht – diesmal nicht in Sachen Eifelarea, sondern in Sachen LARP. Aber nicht direkt wegschalten, um das seltsame Hobby mit den Latexschwertern geht es diesmal gar nicht. Im Grunde geht es um Erleben.

Meine Mitscouts vom vergangenen Sonntag

Wir haben uns Sonntag früh schon auf den Weg gemacht, da wir eine gewisse Wegstrecke zurückzulegen hatten, um unser Ziel zu erreichen; ich will mal gar nicht zu sehr auf das „Wo?“ eingehen, ich belasse es mal bei Rheinland-Pfalz. Die Sonne brannte von den ersten Morgenstunden schon auf uns herab und die krasseste Temperaturanzeige, die ich entlang des Wegesrandes gesehen habe, schlug 41° aus – wobei ich mal vermute, dass der Sensor da auch in der Sonne hing. Dennoch imposant.
Mit suboptimalem, weil maßstabslosen Kartenmaterial machen wir uns also auf den Weg, fuhren eine Reihe von interessanten Punkten an und legten, zumindest an einigen Stellen, kurze, je so maximal einstündige Wanderpassagen ein. Darin merkt man übrigens tatsächlich einen Unterschied zwischen den Ansprüchen an Film-Orte auf der einen und LARP-Orte auf der anderen Seite, denn wo wir beim LARP froh sind um jeden weiteren Meter fernab aller Zivilisation, ist die Logistik für einen Film wie Hilde natürlich ganz anders. An den kleinsten Drehtagen sind wir immer noch mit zwei Autos zum Drehort gefahren, beim größten Drehtag waren wir mit einer Kolonne von fünf oder sechs Fahrzeugen unterwegs.
Aber der dominierende Eindruck des Tages ist und bleibt die gnadenlose Sonne und die damit verbundene Hitze.

Erbarmungslos donnerte die Sonne auf uns herab und Schatten war rar

Nun bin ich ja kein Hitzemensch, sogar absolut kein Hitzemensch. Ich mag den Sommer, ich mag auch, wenn es warm ist und ich weiß, dass ich da noch ein Jahreszeiten-Post schuldig bin, aber wo ich auch mit extremster Kälte klarkomme, schlägt mir Hitze oftmals schnell auf den Kopf. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Hitze am Sonntag aber war über weite Teile des Tages völlig trocken, kein Hauch der hier so üblichen Schwüle lag darin, so dass ich die Sonne durchaus genossen habe. Aber eigentlich genieße ich Tage in der Natur ja immer.
Der Grund dafür, und auch der Grund, das hier mit diesem Posting zumindest schon mal für die Zukunft anzureißen, ist, dass ich gerne Dinge, vor allem Orte, Landschaften, Stimmungen und Witterungen, selber erlebe. Sicher sind Fotos, sind Videos, Videospiele, Filme und Zeichnungen alles schöne Methoden, einem Orte erfahrbar zu machen, aber man muss doch letztlich dort sein, um das volle Maß erfassen zu können.

Das finde ich als Autor wichtig, weil es mir auch einfach hilft, über Dinge zu schreiben. Ich denke, es ist ungleich einfacher, etwas für einen Leser erfahrbar zu machen, wenn man es selber einmal erlebt hat. Natürlich sollte man nicht zwingend einfach 1:1 Erlebnisse verarbeiten und man sollte auch denke ich den notwendigen Funken Kreativität nicht trivialisieren, der einen „nur“ akkuraten von einem absolut fesselnden Bericht zu unterscheiden vermag. Aber dennoch: Wer nur in seiner Wohnung lebt, dem wird bei allem, was nicht in seiner Wohnung steht, nur bleiben, Berichte von Dritten zu lesen und zu extrapolieren. Und das wäre doch schade, wenn es jeder so machen würde.
Ich denke, eines der Wunder der Literatur, der Kunst allgemein ist es, dass sie es ermöglicht, dem Rezipienten das Tor zur eigenen Wahrnehmungswelt zu öffnen. Und da ist es doch ungleich interessanter, ein Tor zu einer Welt voll mannigfaltiger Erfahrungen geöffnet zu bekommen anstatt ein Tor zu einer Welt, deren größtes Abenteuer das Ticken der Küchenuhr ist (außer bei Borchert, sozusagen).
Im Grunde hat es Neil Gaiman auf den Punkt gebracht, denn schon mehrfach schrieb und sagte er:

So write and draw and build and play and dance and live as only you can.

Aber merkt ihr was? Da steht, neben all den nominellen Kreativtätigkeiten auch „leben“ mit bei den Verben. Und ich denke, auch das ist wichtig. Denn ich werde hier niemandem etwas vormachen wollen und die Lust am Wandern, die Lust am Entdecken hier jetzt vollends als kreative Nobeltat zu Gunsten meiner Leser deklarieren. Oh nein.
Es gibt ja eine Menge Theorien, dass die Ursache des subjektiven Beschleunigens der Zeit im höheren Lebensalter gegenüber den Kindheitstagen letztlich darin liegt, dass unser Gehirn neue Erfahrungen sozusagen honoriert, wohingegen es Routinen irgendwann auszublenden beginnt. In dem Maße also, in dem neue Erfahrungen abnehmen, in dem Maße scheinen in unserer Retrospektive die Jahre immer schneller zu vergehen.
Und in diesem Sinne will zumindest ich eigentlich auch jetzt nicht, auch in zehn oder zwanzig Jahren nicht in Routinen versinken, sondern noch immer neue Dinge, neue Orte und neue Menschen entdecken. Aber manchmal braucht es halt einen Anlass. Und gerade Location-Scouting ist immer wieder ein guter Anlass, um nicht gar Vorwand zu sagen, um mir einer Gruppe guter Freunde in unbekannte Territorien vorzustoßen.

Es ist ja auch nicht so, als wenn es schwer wäre, Neues auf dieser Welt zu finden.
Insbesondere jene, die mit wachen Augen durch die Natur wandern, belohnt diese ja auch letztlich gerne mal. So auch uns:

Wir wollten gerade wieder heim, da entdeckten wir jemanden im Hang gegenüber

Und kommendes Mal geht es dann, etwas weniger esoterisch-verkopft, wieder konkret um Bücher. Jawohl.

Viele Grüße,
Thomas

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