Hallo zusammen!
Ich bin ein wenig später dran, als ich wollte, aber auch in diesem Jahr habe ich mir wieder die Wochen nach Weihnachten Urlaub gegönnt und auch in diesem Jahr wollte ich darüber an dieser Stelle ein paar Zeilen verlieren.
Wobei ich diesmal nicht weggefahren bin, weder alleine noch mit Freunden, und stattdessen die Tage daheim (und in Form von Besuchen bei Freunden, die ich sonst selten sehe) genossen habe. Dennoch war es eine Zeit der Introspektion für mich, und das ist immer ein paar Worte wert.

Die volle Galerie folgt im Februar.
Will ich weiterhin, was ich wollte?
Ich schrieb es schon öfter: In meinen Augen ist es unbezahlbar, sich irgendwo im Jahr jeweils eine Zeit zu suchen und auch bewusst freizuhalten, um sich nochmal die Fragen zu stellen, die man sich im Alltag oft gar nicht aktiv stellen kann: Bin ich noch zufrieden mit dem, was ich habe?
Bin ich noch unterwegs in die Richtung, in die ich aufgebrochen bin?
Und vielleicht am wichtigsten: Ist das noch die Richtung, in die ich überhaupt weiter streben möchte?
Der Jahreswechsel hat sich für mich dabei immer als gute Zeit erwiesen. Das hat ja sogar Tradition weit über unsere Gegenwart hinaus, wenn man sich beispielsweise die ganzen auf wahlweise Introspektion oder Lebensausrichtung ausgelegten Bräuche anschaut, die mit den Raunächten in Verbindung stehen.
Aber obschon die Raunächte eine wundervolle Fundgrube sowohl für schöne Sagen wie auch Alltagsaberglauben sind, so ist beides bei mir gar nicht die Grundlage. Ich arbeite jedoch im Verlagswesen, was bedeutet, dass mit Vollendung des Weihnachtsgeschäftes schon mal etwas Ruhe in den Alltag einkehrt. Unser privater Podcast, der DORPCast, macht traditionell auch nach Weihnachten eine Pause, ebenso wie bei Saltatio das Tanztraining pausiert. Kurzum: Wenn ohnehin alles gerade ein wenig zur Ruhe kommt, dann ist das doch die perfekte Zeit, das selbst auch zu tun.
Wollen und Sollen

Und diese Ruhe ist wichtig für das, worüber ich heute schreibe. Denn die alte Leier mit dem Wald, den man vor lauter Bäumen nicht sieht, die greift auch hier. Anders gesagt: Es ist im Alltag, mit all seinen Verpflichtungen, seinen Terminen und Verbindlichkeiten, unfassbar schwer, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Es ist schwer zu unterscheiden, was man wirklich tut, weil man es will, und was man vielmehr tut, weil es eine Gewohnheit ist.
Selbst manches, was wir als Pflicht begreifen, ist dies eigentlich nur, weil wir es selbst in unseren Köpfen zu einer machen – nicht alles, was man tun zu müssen glaubt, ist wirklich eine unumstößliche Verantwortung.
Natürlich gibt es unumstößliche Pflichten, natürlich gibt es offenkundige Verantwortung. Eltern könnten ihre Kinder nicht plötzlich ignorieren, weil sie finden, dass es keine Pflicht sein sollte. Doch um ein eindeutiges, persönliches Beispiel zu bringen: Klar „müssen“ wir einerseits alle 14 Tage einen DORPCast aufnehmen, immerhin erscheint der Podcast ja alle 14 Tage.
Aber: Wir müssten ja gar keinen Podcast aufnehmen. Doch wir wollen.
Dies aber in Innensicht auszuloten, jetzt nicht nur wir im Bezug auf unseren Podcast, ist ein zentral wichtiges Stück Psychohygiene für mich – und sollte es in meinen Augen auch für jeden sein.
In gewisser Weise ist’s die klassische Marie-Kondo-Frage, auf alle Lebenslagen erweitert: Bringen einem der eigene Beruf, die eigenen Hobbys, die eigene Alltagsgestaltung, ja sogar die eigenen Beziehungen Freude? Nicht irgendwann mal in der Vergangenheit, sondern jetzt, heute?
Wenn „ja“, hervorragend.
Wenn aber „nein“, dann sollte man etwas ändern: an sich, an den Umständen, oder in harten Fällen auch ganz konkret an der Anstellung, dem Hobby, dem Alltag oder den Beziehungen.
Umso deutlich wird, warum ich mich für diese Auszeiten stark mache: Natürlich hat man auf der Arbeit oder in der Beziehung gute und schlechte Zeiten. Fragt mich nach einer harten, stressigen Woche mit crunchigen Projekten, engen Deadlines und einem DORPCast on top, ob ich meine Arbeit gerne mache, und meine Antwort wird vielleicht eher zögerlich ausfallen. Aber gebt mir einen Moment, lasst mich durchatmen, und auf viel rationalerer Ebene kann ich zwar immer noch sagen, dass meine Arbeit stressig und fordernd ist, aber sie birgt eben auch extrem viel Erfüllung und Freude.
Nur: Wenn das mal nicht so wäre, oder in einem anderen Feld nicht so ist – dann muss sich etwas ändern.
In corpore sano

Neu in diesem Jahr: Lasst uns auch mal kurz über Gesundheit reden. Da war 2023 für mich ja das Jahr einer strengen Lektion.
Dabei geht es mir gar nicht im Vorsorge-Untersuchungen (wichtig) oder dauerhafte Behandlung langwieriger Leiden (ebenso wichtig). Es geht mir auch nicht um den allwaltenden körperlichen Verfall, dem wir alle ausgesetzt sind – jedenfalls nicht direkt.
Was ich aber festhalten kann: Man merkt erst, wie prekär die eigene Gesundheit ist, wenn sie einem den Dienst verweigert. Eine alles in allem kurze Infektion letztes Jahr hat mich am Ende (bisher) ein Dreivierteljahr lang einen Teil meiner Lebensqualität gekostet, und das ist nur ein Beispiel.
Auf die Gefahr hin, mich sehr oberlehrerhaft anzuhören – fragt euch durchaus in dieser Auszeit auch mal: Esst ihr gut? Schlaft ihr gut? Bewegt ihr euch genug, idealerweise auch draußen an der frischen Luft? Lebt ihr auf eine Weise, dass ihr zumindest unter normalen Umständen eine gute Chance habt, auch ins Alter hinein fit und gesund zu bleiben? Denn wenn es euch bisher eigentlich immer gut gegangen ist, seid ihr euch vermutlich nicht vollauf bewusst, was es heißt, in diesem Bereich plötzlich Entbehrungen hinnehmen zu müssen. Ich glaubte das zu wissen. War eine klare Lektion.
Und auch die Kehrseite spielt da rein: Habt ihr etwas schriftlich geregelt, falls einmal der Tag kommt, an dem andere an eurer Stelle gesundheitliche Entscheidungen für euch treffen müssen? Habt ihr eine Patientenverfügung? Hat jemand eine Vollmacht zu eurem Hab und Gut, für Notfälle? Habt ihr ein Testament?
Ich gebe zu, hier wird die Marie-Kondo-Analogie etwas dünn, aber … in gewisser Weise auch nicht, denn ich denke es liegt wenngleich keine Freude, wohl aber schon ein Gefühl von Sicherheit darin, sich auch um solche Fragen gekümmert zu haben.
Und dann: machen, und zwar nicht erst morgen

Bei allem, was euch im Rahmen dieser Introspektion auffällt und was nach Änderung verlangt, bleibt ein weiterer Ratschlag, den ich von Herzen geben möchte:
Fasst keine Vorsätze. Verfasst Aktionspläne.
Definiert Ziele, klar und deutlich. Was ist nicht gut – und wie müsste es sich ändern? Was wollt ihr erreichen? Ganz konkret.
Und dann: Wie kommt ihr dort hin? Was kann ein Weg sein, dieses Ziel zu erreichen? Brecht es herunter auf kleine Schritte, auf Milestones. Erschafft eine Messbarkeit, etwa durch eine Quote. Vielleicht ist es ein Ziel, was durch das Aufbauen von Routinen und Gewohnten zu erreichen ist. Vielleicht aber ist es auch eines, was einen harten Schnitt erfordert.

Macht euch außerdem eine Sache klar: Jede ausreichend gravierende Veränderung wird schwer gegen die Sogkräfte des Alltags zu verteidigen sein.
Ich war vor zwei Jahren auf einem Führungskräfte-Seminar und eine der wertvollsten Lektionen, die ich vor dort mitgenommen habe, war, dass all das, was man nicht in den ersten 72 Stunden nach Entschluss umsetzt, ungleich schwerer noch zu erkämpfen sein wird.
In dem Kontext, von dem wir hier reden, ist der Intervall vermutlich etwas höher, aber ich denke dennoch, dieser Fokus auf eine Zeit direkt zum Ende eurer Introspektions-Auszeit ist wertvoll. Was könnt ihr innerhalb der ersten par Tage, innerhalb der ersten Woche tun, um die notwendigen Veränderungen anzustoßen und den angestrebten Zielen entgegen zu schreiten?
Ich schrieb es hier in letzter Zeit an der Stelle ja schon mehrfach – Oliver Burkeman hat mir sehr deutlich vor Augen geführt, dass ein durchschnittliches Leben nur 4.000 Wochen lang währt.
4.000 Wochen ist schon eine Menge. Aber es ist viel zu wenig, um „bald“ etwas in seinem Leben zu verändern.
Beginnt jetzt.
Denn wer weiß schon, wieviel bald vom eigenen Lebensweg noch übrig ist.
Viele Grüße,
Thomas






Wen hingegen meine berufliche Arbeit als Verlagsleiter und leitender Layouter für Ulisses Spiele interessiert, findet
Sehr tiefsinnig, sehr richtig und ja, hoffentlich sehr einprägsam, damit man „bald“ was ändert. Danke dir für diese aufweckenden Gedanken!
Heyho!
Es freut mich, dass du mit meinen Gedanken etwas anzufangen wusstest :)
Ja, vielleicht schubsen sie ja doch dann und wann den einen oder anderen in eine gute Richtung!
Viele Grüße,
Thomas