Kurz vor’m Con: Einige Gedanken über LARP und den Fluch der 360°

Hallo zusammen!

Wow, Woche, wo bist du hin?!
War eben noch fast 14 Tage Zeit bis zu unserem LARP-Con Spiel mit dem Vertrauen, so ist es plötzlich heute, der Tag vor dem Tag, an dem es anfängt. Einstein soll ja Relativität einmal dadurch erklärt haben, dass zwar zwei Stunden mit einem schönen Mädchen wie eine Minute verfliegen, sich aber eine Minute auf einem heißen Ofen wir zwei Stunden anfühlen würde.
Ist wohl was dran.

Dabei war in der vergangenen Woche auch nicht alles ‚schönes Mädchen’. Der buchschöpfende Broterwerb hat sich recht viel von meiner Zeit eingefordert, was dann zusammen mit dem Con vor allem auf Kosten der diversen anderen privaten Projekte gegangen ist. Macht aber nichts, alles auf Kurs, denke ich.
Aber wie ich hier so sitze und meinen Frühstückskaffee (Nr. 2) schlürfe, baut sich doch langsam eine gewisse Erwartungshaltung für das Wochenende auf.
Es ist jetzt wahrlich keine Großveranstaltung, aber man kann schon klar sagen, dass das Spiel mit dem Vertrauen meine größte Orga-Beteiligung ist, seit ich vor einigen Jahren mit dem Hinter den Kulissen meinen Einstand gefeiert habe. Sicherlich, jenes hatte zwei Burgen, ein unfassbar großes, bespielbares Gelände und einen Finanzrahmen, an den ich gar nicht denken will, aber auch dieses hier hat durchaus seine Qualitäten.

Anfang der kommenden Woche kann ich hier ja dann auch mal etwas mehr dazu erzählen – sorry an jene, die das Thema so gar nicht interessiert, aber kommende Woche gibt es auch allerlei Literarisches, die versprochene Auseinandersetzung mit dem Abi-Prüfungsplan zum Deutsch-Unterricht 2012, Zwischenstände und mehr, versprochen! –, aber derzeit muss ich noch die Klappe halten. „Feind liest mit“ und so.
Doch LARP ist, alles in allem, ein komisches Hobby, wenn man so will. Vieles von dem, was man so tut, ähnelt Dingen, die man auch beim Schreiben, beim Tischrollenspiel oder bei Filmproduktionen tut, aber irgendwie hat es immer einen kleinen, aber effektiven, zusätzlichen Haken.
Ich meine, Schreiben ist ja eh die Allzweckwaffe. Man hat alle Macht, alle Kontrolle, alles kann man Erschaffen. „Eine kleine Kammer“ ist für einen Autor nicht mit mehr Aufwand verbunden als „Ein opulenter Ballsaal“, sieht man einmal davon ab, dass letzterer mehr Tastenschläge benötigt. Hier ist LARP wie Film, denn das Dingen muss mehr oder weniger wirklich da sein, will man es haben.

Mit dem Pen&Paper-Spiel verbindet es wiederum die Interaktivität. Was wird passieren? Werden die Spieler einen wichtigen Würdenträger auf Sicht erschlagen, werden sie versuchen, mit dem Orkclan der Blutschranzen zu verhandeln oder werden sie gar das wichtige Dokument möglicherweise nicht finden, das doch für jeden erkennbar auf dem Tisch liegt?
Das ist der Punkt, wo in der Regel beim LARPer die Anekdoten aufblühen. Und auch ich könnte jetzt groß erzählen, wie ich es bei meinem allerersten Con nicht geschafft habe, meinen persönlichen Plot zu finden, weil niemand bemerkt hat, dass ein ganzer Tisch mit speziellen Runen über und über bekritzelt war, oder wie ich bei einem kurzen Abend für Freunde, der darauf beruhte, dass ein Ritual unterbrochen würde, glaube ich zweieinhalb mal geopfert wurde, weil ich halt der einzige „Opfer“-Charakter war und die Spieler den Platz einfach ums Verrecken nicht fanden.
Ich belasse es aber mal bei eben diesen Andeutungen und komme stattdessen noch mal kurz auf die oben erwähnten Dokumente zu sprechen. Wenn in einem Roman ein Dokument erwähnt wird, greift wieder, was ich schon sagte: Der Autor muss halt im Grunde „nur“ andere Tasten drücken; literarische Qualität und dergleichen mal außen vor, kostet es beispielsweise nur einen Buchstaben mehr, dass statt einem „Zettel“ ein „Foliant“ dort liegt. Klassisch beim Tischrollenspiel wäre vielleicht noch ein Handout, ein visuell gestalteter, meist aber „einfach“ gedruckter Auszug, der halt die kritische Stelle untermalt. Findet sich in Büchern so eher selten – Walter Moers sei meinethalben die Ausnahme, die die Regel bestätigt –, doch beim Pen&Paper halt gerne mal.
Im LARP aber sieht die Sache noch mal anders aus. Wenn es das Tagebuch eines senilen Königs sein soll, dann braucht man … das Tagebuch eines senilen Königs. Man muss es halten können, muss darin blättern können, die Seiten brauchen Inhalt, brauchen Kontinuität.

Und dabei ist die Anforderung sogar noch mal höher als im Film. LARP nimmt man mit all seinen Sinnen wahr. Zu den visuellen und akustischen Erfahrungen, die es mit dem Film gemeinsam hat, bietet das Live-Rollenspiel auch taktile und olfaktorische Elemente, manchmal sogar bestimmte Geschmäcker. Und das alles, hier erklärt sich der Titel, aus 360°. Sehen andere vermutlich auch weniger kritisch – genauso wie es beim Film ebenso irre gibt, die mit ähnlicher Akribie vorgehen. Etwas Ridley Scott, der für Blade Runner ja sogar für all die Hauseingänge Klingelschilder hat gestalten lassen.
Natürlich kann man nicht überall ultimative Qualität bieten, aber wenn ich die Statue des Schwarzen Falken hochhebe und die obsidian wirkende Skulptur sich als Styropor-Gockel erweist, dann zerplatzt die Illusion. Und zumindest uns ist so etwas immer, letztlich, einfach zu billig.

Aber letztlich ist es das auch, was das Hobby so großartig macht. Erzählende Medien drehen sich ja irgendwie immer um Immersion, um das Gefühl, Teil der Handlung zu sein. Hier ist man Teil der Handlung. Aber all das hab ich ja schon mehrfach ausgeführt. Sehr ausführlich etwa in diesem Artikel hier.
Ich jedenfalls schaue mit Freude auf das, was wir da jetzt entfachen werden. Und werde dann zum Wochenanfang darüber berichten.

Ich schaue mal, ob ich es schaffe, über das Wochenende hinweg zumindest noch was Kleines für Zwischendurch zu posten – wir werden sehen.

Viele Grüße,
Thomas

Ein Kommentar zu “Kurz vor’m Con: Einige Gedanken über LARP und den Fluch der 360°

  1. Pingback: Einige Gedanken zum Condra 11 (Obacht, LARP) | Thomas Michalskis Webseite

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