So stehen sie da, an der Laterne

Hallo zusammen!

Gerade ist bei deviantArt eine Fotoserie von mir zu einem Ende gelangt, die ich dort vor allem als das „Laternenprojekt“ bezeichnet habe. Es ist ein Projekt, auf das ich ungeheuer stolz und mit dessen Umsetzung ich extrem zufrieden bin. Ich denke, von meinen rein privaten und ohne Anlass entstandenen Projekten dürfte es gemeinsam mit Ballett im Bunker den ersten Platz belegen. Aber weil ich es da getan habe und es ja auch mit zu dem gehört, was von diesem Blog hier umfasst wird, wollte ich ein paar Zeilen dazu verlieren, wie es überhaupt dazu gekommen ist und worum es ging.
Dieser Text folgt dabei mehr oder weniger meinem englischsprachigen Posting drüben bei dA.

Grundsätzlich kann man sagen, dass es als reines Technikprojekt begonnen hat. Ich hatte mich mit einem Objektiv 50mm f/1.8 bewaffnet und sehr schnell festgestellt, dass eine Blendenzahl von 1,8 tatsächlich ein sehr starkes Werkzeug ist, um Fotos nahezu ohne Lichtquelle aufnehmen zu können. Und eines Nachts, wie ich so durch Aachen wanderte und in eine der grellorangen Straßenlaternen aufblickte, dachte ich mir, eines Tages solltest du mal probieren, ob das genug Licht ist, um störungsfreie Fotos aufzunehmen.
Als Randnotiz sei die Schuld dafür Michael Mann gegeben, da seine neueren Filme, insbesondere „Collateral“, einer der größten visuellen Einflüsse darstellen, die mir untergekommen sind.

Wie dem auch sei, springen wir eine nennenswerte Anzahl von Monaten voraus. Einige meiner Freunde sind einen Abend mit einem Hauch von Nostalgie abends rausgegangen. Ich war nicht dabei, aber ich habe Fotos gesehen. Und als ich die beiden sah, die nun auch auf den Fotos zu sehen sind, aufgemacht wie sie da waren, dachte ich mir, eines Tages sollte ich mal ein Projekt finden, dass es wert wäre, sich noch einmal derart zurecht zu machen.
And dann traf mich die Erkenntnis und ich entschied mich, beide Ideen zu einem kleinen Projekt zu vereinen. Nichts von dem Umfang von Ballett im Bunker, nur eine Weile auf der Straße mit einem festgelegten Set an Motiven.

Es stellte sich heraus, dass die Frage an sich ein kleines Wagnis war, denn „Sag mal, würdet ihr zwei euch diese knappen Kleider von dem Tag anziehen euch für mich unter eine Straßenlaterne stellen“ klang ziemlich schlecht. Aber, mit viel Dankbarkeit gegenüber den beiden, bekam ich keine Ohrfeige, sondern sie sahen sich kurz an, wogen das kurz ab und sagten dann zu.
Ich habe ziemlich viel Glück, was meine Freunde betrifft.

Und so schnappten wir uns, nach ernsten Problemen einen Termin zu finden an dem wir alle drei Zeit hatten, keiner von uns zu sehr von einer Krankheit niedergeschlagen war – man konnte glauben, der Gott der Grippe würde mein Projekt nicht in dem gleichen Maße mögen wie ich – und an dem das Wetter kooperierte, eine der letzten warmen Nächte des Spätsommers und trafen uns an der Lampe.

Soweit es das betrifft, was die Bilder zeigen, fällt es mir etwas schwer in Worte zu fassen, worauf ich eigentlich aus war. Ich hatte die Idee einer Laune, die Idee einer Stimmung, die ich transportieren wollte. Aber ganz ähnlich wie bei Ballett im Bunker, keine explizite Geschichte, die ich erzählen wollte. Aber ich denke ich war zu gleichen Teilen von Michael Mann und dem alten „Vampire: die Maskerade“-Artwork von Tim Bradstreet beeinflusst, obschon beides am Ende glaube ich nicht zu sehr durchscheint. Wie ich sagte, mehr eine Stimmung. Man füge einen Hauch Lili Marleen hinzu und schmecke das Ganze mit einer Prise der Stimmung von Nina Hagens Coverversion von Rammsteins „Seemann“ ab, und los geht’s. Oder so etwas in der Art.
Meine beiden Modelle hingegen hatten eine relative klare Meinung dazu, was das wohl für Frauen nachts unter einer Laterne seien und ich denke, viel von der daraus resultierenden Körpersprache in den Bildern hat ebenfalls einen großen Einfluss gehabt.

Am Ende bleibt mir zu sagen, dass ich stolz bin. Aufnahmen rund um die Blende von f/1.8 zu machen bedeutet, einen sehr, sehr schmalen Schärfebereich zu haben und in einigen Fällen zeigen die Bilder das auch sehr deutlich. Aber zum ersten Mal, seit ich das Objektiv habe, ist es mir denke ich gelungen, diesen Faktor zu einer Stärke zu machen und nicht nur zu versuchen, ihn zu kompensieren.
Als ich die Fotos durchsah, die wir gemacht hatten, war ich angenehm überrascht, dass jede einzelne Situation funktioniert hatte und jedes Motiv, das ich im Kopf gehabt hatte bevor wir anfingen, tatsächlich funktioniert hatte. Von den freakigen Ideen meiner Modelle mal ganz abgesehen, die ich sehr gerne mit ins Set aufgenommen habe.

So beende ich dieses lange, teils vielleicht sogar zu technische Posting mit tiefer Dankbarkeit. Meine Freunde, diese beiden hier insbesondere, haben bisher kein Projekt, das ich ersonnen habe, in Frage gestellt oder abgelehnt. Und sie sind loyale, treue Freunde. Für ersteres muss ich ganz klar meinen Hut ziehen, um das Zweitgenannte zu würdigen werden Worte hingegen niemals ausreichen.

Die komplette Auswahl gibt es hier bei deviantArt zu sehen.

Viele Grüße,
Thomas

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: