Seelenworte

Verlagsmythen: Beim Selbstverlag verdient man nichts

Hallo zusammen!

Ich habe den nachfolgenden Dialog jetzt schon mehrfach so oder so ähnlich geführt.

Jemand: Oh, Sie sind Autor.
Ich: Ja.
Jemand: Bei welchem Verlag publizieren Sie?
Ich: Ich verlege meine Bücher direkt über einen Anbieter on-demand.
Jemand: Ach so, also nicht beruflich?

Und jedes Mal muss ich mich dann zurückhalten, nicht zu sehr in den folgenden Erklärungen im Eifer aufzugehen. Denn das Vorurteil, dass da mitschwingt, ist scheinbar unsterblich und wird auch durch die tausendste Wiederholung einfach nicht wahrer – es ist die Unterstellung, dass Buchveröffentlichungen on demand nicht wirtschaftlich, sondern bestenfalls als Hobbyprojekte tauglich seien.
Sicherlich, die Branche hat in Form der unseligen Druckkostenzuschussverlage (DKZV) einen Ahnen, der großteilig aus Lug und Betrug geformt war. Keine Frage.
Für jene, die hier später zugeschaltet haben: Das „klassische“ DKZV-Modell funktionierte so, dass der Autor erst mal einen meist vierstelligen Betrag vorgeschossen hat, aus dem dann wiederum der erste Druck finanziert wurde. Verkauften sich die Bücher, war natürlich alles gut und im Falle eines ehrlichen Anbieters – was beileibe nicht alle waren – verdienten sogar alle daran. Verkauften sich die Bücher aber nicht, blieb in diesem Falle, anders als bei „regulären“ Marktanbietern, der Autor auf den Kosten sitzen.
Das gerade in teilweise renommierten Wissenschaftskreisen bis heute so gearbeitet wird, nur unter „schöneren“ Titeln, lasse ich dabei mal außen vor.

Der obige Dialog birgt noch eine ganze Reihe anderer Vorurteile, auf die ich an dieser Stelle nicht eingehen will – aber ich will zwei davon kurz beim Namen nennen. Für später vielleicht.
Denn der obige Dialog unterstellt erst einmal, dass zahlreiche Autoren vom geschriebenen Wort alleine leben können – was nicht stimmt – so wie er zugleich den Eindruck vermitteln könnte, Autoren schrieben in der Regel halt für Geld, so wie mein Postbote eben für Geld morgens die Briefe hier einwirft. Manchmal in die Kästen. Oft in den Flur.
Dass auch diese Annahme irgendwie hakelig klingt („Was machen Sie beruflich?“ „Ich bin Schriftsteller.“ „Oh, interessant. Was kriegen Sie denn da so raus? So netto?“) sei angemerkt.

Zurück zu der Annahme, Verlagsautoren würden durch ihre Bücher mehr verdienen. Weiterlesen