Hallo zusammen!
Dieser Artikel ist spät dran, auch wenn ihr das nicht unbedingt erahnen könnt. Aber gab einen Moment, wo ich dachte, dies hier würde einer meiner semi-regelmäßigen „Urlaubsgedanken“-Beiträge … und jetzt ist jener Urlaub schon einen Monat her. Nun denn. Ein klassisches „Allerlei“ ist es auch nicht … ein Kessel Buntes aber schon.

Zwei Jahre kein DORPCast, und das ist okay
Am 13. Oktober 2024 erschien DORPCast 250: Das Ende und war, nun ja, das Ende unseres Podcasts. Ich weiß, technisch gesehen ist es ein „vorläufiges“ Ende, die Türe haben wir uns ja offengehalten, aber wer in den zwei Jahren seither mit Michael oder mir darüber gesprochen hat, der wird auch wissen, dass wir nicht gerade unruhig mit den Hufen scharren, zurück hinter die Mikros zu gelangen.
Vielmehr glaube ich immer mehr, der Zeitpunkt war der richtige. Der DORPCast hat gesagt, was er zu sagen hatte und ist auf seine Weise einfach komplett. Meine Ich habe Bücher gelesen-Beiträge hier haben die Medienschau für mich in gewisser Weise beerbt, und an vielen anderen Fronten war denke ich von uns gesagt, was von uns dazu zu sagen war.

Man kann durchaus festhalten, dass aus einer rein kapitalistisch-selbstoptimierten Perspektive die Entscheidung, den Podcast (vorerst) enden zu lassen, eine falsche war. Mir ist vollkommen klar, dass ich durch diese Entscheidung meine eigene Reichweite und meine persönliche Einflusszone spürbar eingeschränkt habe.
Aber das ist – auch wenn man oft ein anderes Bild vermittelt bekommt – ja nicht die einzige Perspektive. Denn aus einer eher kreativ-schöpferischen Sicht war es, wie gesagt, denke ich genau die richtige.
Hank Green hat das vor rund drei Monaten im Bezug auf die Projekte eben der Gebrüder Green wundervoll auf den Punkt gebracht als ein Geheimnis ihres eigenen Erfolgs: „Never be afraid to intentionally shrink your audience when it suits you.“ (Quelle)1
Wie man andere Menschen erreicht …
Natürlich schwingt da akut bei mir ebenfalls noch immer die kleine persönliche Gesundheitskrise mit, die ich Ende Juli hatte und über die ich hier ja schon eine Menge schrieb; es wäre gelogen zu sagen, dass die nicht auch manche Priorität nochmal neu verfestigt hätte. Dennoch spreche ich nach wie vor manchmal mit Menschen, die offenbar überzeugt sind, wir hätten mit dem Ende des DORPCast unserer Goldeier legenden Gans den Hals umgedreht. Und ja, vielleicht haben wir das.
Zugleich gilt: Auch jenseits der (schlussendlich ebenfalls teils kreativen) Lohn- und Brotarbeit mangelt es mir ja nicht an Projekten. Beispiele gibt es zuhauf, die Dracon etwa liegt ja auch wieder frisch erst hinter uns. Irgendwas zwischen drei und vier Dutzend Besucher waren da und haben dem kleinen Event wie eh und je seinen familiären Charme und Charakter verliehen. 120 Waffeln wurden verspeist, statistisch mehr als 1 Liter Kaffee pro Gast wurde getrunken und, wichtiger, mehr als ein Dutzend spannender Spielrunden wurden gespielt.
Generell kann man sagen, dass nichts bei der DORP je die Reichweite und Strahlkraft des DORPCast gehabt hat. Ich vermute mancher, der hier mitliest, ist über den Podcast überhaupt zu uns und somit zu mir hier gelangt. Ja, eine einzige Folge DORPCast hat, verglichen einer Dracon, sicherlich die fünfundzwanzigfache Menge an Personen erreicht. Aber ist das wichtig?
Jüngst erst habe ich auch ein Videoprojekt für eine Veranstaltung realisiert. Ich darf da noch nichts zu sagen, aber obwohl es auf dem Papier eine Auftragsarbeit war, kann ich festhalten, dass es eines der coolsten Kreativprojekte ist, die ich in letzter Zeit realisieren konnte. Richtig cool. Und diese Videos werden nun vollumfänglich wohl nur für die Besucher jener Veranstaltung erfahrbar sein – aber für die ist’s dann eben auch richtig cool.
Der Maßstab steht in keiner Relation zu etwa Hilde und die Glocken der Amazonen. Aus mir unverständlichen Gründen liegt jener Film bei inzwischen über 200.000 Aufrufen – und die Produktion hat zugleich damals mit weit mehr als einem Dutzend Drehtage einen Aufwand entfaltet, den wir (berufstätig und Mitte 40) gerade einfach gar nicht leisten könnten.
Ich bin stolz auf Hilde, der kommendes Jahr auch schon 10 wird. Immens sogar.
Aber auch hier gilt: Höher, schneller, weiter klingt gut, aber kreative Erfüllung kann auch in kleinen Projekten liegen. Nicht nur im Sinne der genannten Videos für jene Veranstaltung. Auch Laudate oder Morold und die Karte von Carthagena sind ganz klar kleinere Projekte.
Die kreative Erfüllung aber steht für mich – mehr denn je – im Mittelpunkt.
… und wann man das will
Das kleinste Publikum, das man haben kann, ist eines von 1. Wenn ich Dinge rund um mein Haus mache, wenn ich ein Gartentor schreinere, Solarpaneele anbringe oder Regale baue, dann tue ich das rein für mich. Nicht um daraus Content zu generieren, nicht um den Wert des Hauses zu steigern, sondern um es einfach selbst für mich schön zu haben, und idealerweise den Weg dorthin noch zu genießen.2
Ich gab eine Zeit, wo ich gefühlt alles von den Dächern rufen wollte – jede Rollenspiel-Kampagne war ein Download für die DORP, jede Foto-Tour ein Projekt für (damals) deviantArt, jeder gesehene Film und jedes gesehene Buch Futter für eine Rezension auf der DORP. Aber mit jedem Jahr entdecke ich mehr Dinge, die ich auch einfach für mich tun will. Ich kann am Haus basteln, auch wenn es nur mir dient. Ich kann (womöglich richtig coole) Rollenspielkampagnen planen und dann einzig für die vier, fünf Nasen am Tisch leiten. Ich kann kreative Projekte verwirklichen, nicht der Reichweite, sondern rein um der Kunst willen.

Die Fotos hier in diesem Artikel habe ich analog fotografiert, mit einer alten und inzwischen auch recht störrigen Kamera. Sie sind nicht perfekt, Gott, beileibe nicht. Ich würde auch für kein Geld der Welt immer so arbeiten wollen.
Aber dennoch war es einfach eine gute Zeit, diese etwa sechzig Jahre alte Balda Baldessa LF zu nehmen, einen Film einzuspannen, sie in die Jacke zu stecken und einfach mal mitzunehmen.
Jedes Handy heute macht nahezu perfekte Fotos.
Aber die Touren mit der Baldessa brachten mir Spaß.
… und das ist der Punkt
Nicht alles muss ewig nach Größe und Erfolg streben. Nicht in jedem Hobby, das einem Freude bereitet, muss ein Side Hustles stecken – das schreibe ich hier ja auch schon eine Weile. Aber das gilt halt am Ende auch für so etwas wie den DORPCast.
Erfolg alleine ist auch kein guter Grund, etwas zu machen.
Versteht mich nicht falsch:
Ich bin dankbar für das Publikum, dass der DORPCast hatte.
Ich bin dankbar für jene, die hier mitlesen; dankbar für jene, die meine Bücher, Filme und Rollenspielwerke konsumieren.
Aber jenseits aller Kennzahlen gilt auch: Es gibt kein messbares ROI für einen zutiefst glücklich verbrachten Tag.
Das Essen kann auch lecker schmecken, ohne Likes auf Instagram zu sammeln. Ich kann auch was schreinern, ohne ein Easy–Props-Video darüber zu drehen. Ja, selbst meine Romane erreichen ja nur eine eher kleine Gruppe von Leuten. Und wenn schon!
In einer Zeit, in der die sozialen Medien uns alle zu Sendern gemacht haben, ist das jedoch alles ein Fallstrick, in dem sich mehr und mehr Menschen verfangen können. So vieles in unseren Leben behandeln wir in der modernen Welt aus einer im weitesten Sinne ökonomischen Perspektive, sei’s nun monetärer Erfolg, Likes oder eine andere Metrik – und wenn wir nicht verflucht aufpassen, ist genau das der Winkel, aus dem heraus wir all unsere Hobbys auf dem Altar der Side Hustles opfern.
Die Dracon bringt eine Schar netter Menschen zusammen und verschafft ihnen eine gute Zeit. Dieser Blog hier hat eine überschaubare, aber treue Leserschaft und ich hoffe, die zieht genauso etwas aus diesen Artikeln, wie ich daraus mitnehme, sie zu schreiben. Manch anderes, was ich tue, ist hingegen nur für mich, oder nur für mich und meine Freunde.
Ich sage gar nicht, dass in all den kommenden Jahren nicht nochmal ein Podcast folgen wird. Hallo Anne steht ja auch noch aus und ist zumindest ein Audio-Projekt (wenn auch kein Podcast)3, und Hallo Anne ist zugleich auch ein gutes Beispiel für ein Werk, das – gemessen an den Aufrufen – vermutlich am Ende „unverhältnismäßig viel“ Mühe gekostet haben wird. Aber andererseits, wer bestimmt schon die Relation, wer bestimmt diese Verhältnismäßigkeit?
Diese kleineren, teils obskureren oder wilderen Projekte sind solche, mit denen ich mich derzeit kreativ und emotional einfach wohl fühle.

Die Schärfe ist off, die Farben sind in alle Himmelsrichtungen verschoben.
Aber ich mag den surrealen Charme des Fotos.
All das, was ich hier schreibe, für mich inzwischen auch gedanklich greifen zu können, ist eben auch keine Selbstverständlichkeit.
Ich hoffe, ihr seid auch weiterhin Teil meiner kreativen Reise, ich hoffe ihr habt auch weiterhin Anteil an meinen kreativen Projekten. Natürlich möchte ich, dass ihr meine Romane lest (Das letzte Kind von Kaltenstein ist echt gut geworden, ich schwör!). Natürlich hoffe ich, dass ihr euch Hallo Anne anhören oder unsere kommenden Kurzfilme schauen werdet.
Fakt ist: Nicht alles davon wird die Reichweite des DORPCast, oder den schieren Aufwand von Hilde und die Glocken der Amazonen erreichen.
Und wisst ihr was?
Das ist okay.
Viele Grüße,
Thomas
- Es ist nicht ohne Ironie, dass an dem Tag, an dem ich die Reinschrift dieses Beitrags begann, John, der andere Green-Bruder, dieses thematisch bemerkenswert verwandte Video veröffentlicht hat.
Des ungeachtet erscheint es mir außerdem relevant zu betonen, dass mir klar ist, dass die Gebrüder Green Erfolg, Reichweite und „Berühmtheit“ auf einem ganz anderen Niveau haben. John ist vielfacher Beststeller-Autor, bei dem die wenigsten seiner Bücher noch keine Film- oder TV-Adaption erhalten haben. Ich bin halt’n Typ, der sich gefreut hat, letzte Woche beim Tanztraining mal wieder ein Buch zu signieren. Aber aus Gründen, die quasi exakt den Kern dieses ganzen Artikels bilden, ist das schlussendlich für das, was ich sage oder schreibe, gar nicht relevant. ↩︎ - Kleiner Rant am Wegesrand: Es ist ja scheinbar irgendwie modern geworden, bei allem rund ums Haus immer direkt auch den Wiederverkaufswert im Blick zu haben. Das ist eine Denkweise, die mir ferner nicht sein könnte. Ich wohne hier, ich will es hier gemütlich und schön und heimelig haben. Wenn eines Tages jemandem der dunkelgrüne Hausflur nicht gefällt, schade; aber das ist doch kein Grund, es sich nicht selbst so zu gestalten, wie man es mag. Auch das ist ja irgendwo dieser kapitalistisch-optimierende Blickwinkel: Hauptsache Wertsteigerung. Aber numbers go up ist nicht alles. ↩︎
- Ich merke schon, ich merke schon: Vermutlich ist ein allgemeines „Allerlei“ zu diversen Projekt-Ständen trotz allem in Bälde auch gar keine so schlechte Idee. ↩︎






Wen hingegen meine berufliche Arbeit als Verlagsleiter und leitender Layouter für Ulisses Spiele interessiert, findet