Bücher über das Schreiben I: Schreiben in Cafés

Hallo zusammen!

Gestern noch zitierte ich in meinem Posting Sol Stein und sein Buch „Über das Schreiben“; etwas, das mich an etwas erinnerte, worüber ich schon lange einmal hatte schreiben wollen: Bücher über das Schreiben.
Also haben wir hier einen Autoren/Lektor, der in seinem Blog über Bücher schreibt, in denen Leute darüber schreiben, wie man Bücher schreibt. Wenn das mal nicht „meta“ ist.

Nun denn. Nachdem ich ja gestern schon Stein zitierte, ist ja auch relativ offenkundig, wo ich diese Tour beginnen muss … richtig: woanders. So interessant Steins Buch in Passagen sein mag, es gibt im Grunde nur einen Titel, der die Ehre der ersten Nennung hier verdient hat: „Schreiben in Cafés“.

Das Buch, im Englischen wesentlich cooler „Writing Down the Bones“ betitelt, wurde von Natalie Goldberg 1986 verfasst und geistert seither so durch die Verlage. Die deutsche Ausgabe ist noch relativ jung, so dass ich das Buch auch noch im Original gelesen habe.
Mal davon abgesehen, dass ich es immer lustig finde, wenn man Texte über Tipps, was man mit Sprache machen kann, in der Übersetzung liest.

Es gibt Bücher, die verraten einem, wie man Romane schreibt. Oder Bücher allgemein, oder Kurzgeschichten. Oder Drehbücher. All das ist dieses Buch nicht. Dieses Buch ist ein Buch über das Schreiben an sich.
Das klingt gegebenenfalls esoterisch – und das ist es auch. Aber das ist es, was das Buch für mich so interessant gemacht hat.

Es gibt Bücher, die sagen einem, wie man gute Dialoge schreibt. Oder wie man systematisch Szenen konzipiert. Das ist alles wichtig und das sind Bücher, zu denen komme ich auch noch. Aber Goldberg fängt ganz anders an. Goldberg betont, wie wichtig es ist, aus dem Herzen heraus zu schreiben, was der Unterschied zwischen Schreiben mit dem Kopf und Schreiben aus Leidenschaft heraus ist. Sie betont, dass man Texte loslassen können muss, aber dass das schwer sein kann. Dass ein bedeutungsvoller Text genau dann entsteht, wenn man sich ihm öffnet.

Um eine dieser Stellen zu ztieren:

Don’t tell your autobiography with facts, such as „I am in sixth grade. I am a boy. I live in Owatona. I have a mother and a father.“ Tell me who you really are: „I am the frost on the window, the cry of a young wolf, a thin blade of grass.“

– Natalie Goldberg: Writing Down the Bones. Freeing the Writer Within. Boston: Shambhala 1986. S. 82.

Viele dieser Bücher verraten einem im Endeffekt, wie man so schreiben kann wie alle anderen. Goldberg hingegen verrät einem, wie man vielleicht dahin gelang, so zu schreiben, wie sonst kein anderer.

Nun aber zum „cum grano salis“-Teil der Laudatio: Goldberg kommt explizit und mehrfach betont aus der Zen-Ecke der Theorien. Zen, da sind ja auch andere Autoren schon gelandet, man denke an Bradbury, aber es ist immer ein schwieriges Thema. Auch für mich gibt es punkte, an denen mir das alles zu ungenau wird. Ich bin keiner der Leute, die stundenlang in einem Atelier sitzen und auf die Muse warten können. Wenn ich schreibe, dann mit Plan, mit Struktur, mit einem Konzept.
Aber vielleicht mag ich dieses Buch hier gerade deshalb auch so sehr, weil es im Grunde nicht so arbeitet wie ich. Denn eine gleiche Meinung mag zwar angenehmer Balsam für die Seele sein, doch Widerworte sind es, die uns wirklich ans Denken kriegen.

Und aus den Antworten auf die Frage „Warum widerspreche ich der Autorin an dieser Stelle gerade instinktiv“ habe ich vermutlich mehr gezogen als aus manchem Buch darüber, „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“.
Ha!
Dann weiß ich ja auch schon, wo ich beim nächsten Eintrag in der Reihe weitermachen werde. Mal schauen, wann ich die Zeit dazu finde. Vielleicht schaffe ich das ja jetzt jeweils zum Ersten des Monats. Wir werden sehen.

Wer Goldbergs Buch eine Chance geben möchte, der findet die deutsche Ausgabe hier bei Amazon, während man das englische Original an dieser Stelle hier vorfindet.

Viele Grüße,
Thomas

Ein Kommentar zu “Bücher über das Schreiben I: Schreiben in Cafés

  1. Also ich finde Bücher über das Schreiben immer problematisch – in Vielen stehen Dinge, die ich vertreten kann, aber das Wie, Wann, Wo, Warum ist bei kreativen Beschäftigungen so furchtbar individuell, dass man vielleicht nie eine 100%ige Übereinstimmung erreicht…
    Oder zumindest habe ich meinen einzig wahren Glauben noch nicht gefunden was das angeht.;)

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