Vier Jahreszeiten: Winter

Der Winter Naht

Eigentlich wollte ich mit diesem Beitrag auf den offiziellen Winteranfang warten, aber der liegt mit seinem Datum vom 22. 12. auch eher ungünstig fast in Weihnachten drin. Den Ausschlag, jetzt schon den entsprechenden Text zu schreiben gab aber der Moment meines Aufstehens Freitag früh – der Weg zu meinem Bad lässt einen kurzen Blick auf den Balkon zu – und da lag Schnee. Ich habe das später am Tage auch noch fotografiert (siehe nebenstehendes Bild) und nehme es jetzt mal als Anlass, analog zu meinem Artikel Vier Jahreszeiten: Herbst einen super-subjektiven Blick auf „die kalte Jahreszeit“, den Winter, zu werfen.

Für mich persönlich ist „Winter“ ein Klammer-Begriff, der gleich vier Elemente umfasst, die zusammen eben die Charakteristik ausmachen. Dass mir der Winter dabei insgesamt am Herzen liegt sollte jeder erahnen können, der hier schon länger mitliest, denn mein nächstes Buch heißt ja nicht von ungefähr Schleier aus Schnee.

Also, was haben wir da an Elementen?

Schönheit des Winters

1. Schnee, im verkopften Sinne

Ich mag Schnee. Eigentlich liebe ich Schnee sogar. Wenn draußen alles weiß ist, die Luft beißend kalt, die weiße Pracht unter den schweren Schuhen knarzt und dicke Flocken vom Himmel fallen, dann finde ich das einfach unglaublich schön. Ich bin früher mit meinem Hund sehr gerne im Schnee spazieren gewesen, noch davor gerade rund um Heiligabend mit meinen Eltern durch den Wald spaziert. Wir haben vergangenen Januar bei tiefen Minusgraden in der Eifel ein Ein-Tages-LARP veranstaltet bei dem der Schnee an der richtigen Stelle auch mal bis zur Hüfte gehen konnte. Wundervoll.
Auch mit einem guten Buch im Warmen sitzen, ein Heißgetränk der Wahl neben sich, weiß mich immer wieder zu verzaubern. Dafür liebe ich den Winter.

2. Schnee, im praktischen Sinne

Ich kann Schnee nicht leiden. Manchmal hasse ich Schnee sogar. Ich bin in der Eifel aufgewachsen und habe daher immer meine Erfahrungen mit dieser weißen Pest sammeln können, aber wirklich schlimm wurde es erst, als ich nach Aachen gezogen bin. Wer in Wintermonaten regelmäßig knapp über 50 Kilometer hin und zurück durch das Winterwetter fahren muss, der kann mit der Zeit nur Aversionen entwickeln.

"In Aachen gibt es keinen Winter." Foto wider der lokalen Selbstwahrnehmung, Januar 2010.

Und damit, das sei kurz erwähnt, meine ich gar nicht mal die Eifel. Kalt, viel Schnee, preußisch Sibirien und so. Aber auch einer der besten Winterräumdienste im ganzen Bundesgebiet. Aachen dagegen, unsere Karlsstadt hier, ist jedes Jahr das gleiche Desaster. Zuerst erklären mir die Aachener, dass es hier ja nicht richtig Winter wird. Dann wird es kalt und alles bricht zusammen. Jedes Jahr das gleiche.

Aber auch sonst habe ich schon harte Winter erlebt. Ein Tag während meines Zivildienstes hatte -15 oder -18°C – je nach Thermometer, das ich einsehen konnte. Der schwre Presscontainer, in dem wir Abfälle wie Bauschutt zerkleinern konnten, ist da festgefroren. Zugegeben, der Tag fällt eigentlich schon wieder in Kategorie 1, denn ich fand das super, aber praktisch gesehen kann ein ordentlicher Winter einfach alles erst mal lahm legen. Und darum fasziniert mich der Winter.

3. Weihnachten

Ganz klar, Winter und Weihnachten gehören für mich zusammen wie Disney und Micky Maus oder wie Mulder und Scully. Jetzt könnte man eine ganze Menge sagen über Kommerz, über die Ausschlachtung eines heiligen Festes, über U-Boot-Christen und fragwürdige „Traditionen“ wie Coca-Colas roter Weihnachtsmann. Tue ich aber nicht.
Für mich ist und bleibt Weihnachten ein Familienfest. Das kann man hinterfragen, das kann man auch gerne karikieren, persiflieren oder zum Thriller ummünzen, alles schön, habe ich auch Spaß dran. Aber mein Weihnachten ist ein Familienfest, dass man im Kreise seiner trauen Lieben verbringt und was vielleicht einer der wenigen ruhigen Punkte eines ansonsten chaotischen Jahreslaufes ist.
Sicher, Weihnachten kann auch holprig sein. Ein Jahr habe ich an Heiligabend mit meinem Vater zusammen das Haustürschloss meiner Großmutter knacken müssen, weil sie sich ausgeschlossen hatte. Sehr besinnlich.
Und wessen Familie nicht zu eng auf einem Fleck wohnt, der weiß auch, dass Weihnachten potentiell auch ein Fest der vielen, zurückgelegten Kilometer ist. Aber irgendwie kann ich das alles ausblenden. Für mich ist Weihnachten ein Familienfest.

4. Das mediale Bild von Weihnachten und Winter

Es gibt so viele Interpretationen von Weihnachten und dem Winter, dass es gar nicht möglich ist, die hier sinnvoll aufzuzählen. Irgendwo von Charles Dickens „A Christmas Carol“ bis „Gremlins“, von „Tödliche Weihnachten“ bis Grishams „Das Fest“ reicht hier die Bandbreite.
Es gibt allerdings drei mediale Varianten, die ich kurz ansprechen will, weil sie für mich Stimmungen transportieren, die ebenfalls in dieses Thema passen. Da ist einmal die Fernseh-Serie „Ally McBeal“. Oft unterschätzt, gerne als „Frauenserie“ abgetan – aber das ist alles hier gar nicht Thema, das hole ich mal nach. Aber die Serie spielt, meiner subjektiven Wahrnehmung nach, eh zu zwei Dritteln in der Weihnachts- oder wenigstens Winterzeit. Und es gibt diverse Szenen, gerade zum Ende von Episoden, in denen Ally meist alleine durch dunkle Straßen heim geht, erleuchtet von Lichterketten und Laternen. Ich kenne wenige Sequenzen, die gerade dieses Element der Weihnachtszeit – es ist ja bekanntlich die Zeit im Jahr, die Einsamen am deutlichsten vor Augen führt, dass sie es sind – so perfekt auf einen Punkt gebracht haben.
Meine absolute Weihnachtsszene schlechthin ist allerdings in der Fernsehserie „Millennium“ zu finden. Eigentlich ja eher eine harte, düstere Serie um Weltuntergang und Serienmörder gewesen, wenn auch eine, die ich sehr schätze, so ist ihnen mit der Episode „Morgen und Morgen und Morgen“ (O-Titel: „Midnight of the Century“) ein ganz großer Wurf gelungen. Einfach alles an dieser Episode stimmt, von der Musik über Handlungselemente wie das Krippenspiel der Tochter, die Bild- und Set-Ästhetik, die Doppelhandlung um das Verhältnis zu den Eltern sowie das zur getrennt lebenden Ehefrau, kurzum zur Familie – all das ist in dieser Episode wunderbar verknüpft und verwoben worden. Die letzte Szene, ich will sie nicht verderben für jene, die sie noch nicht kennen, aber die letzte Szene alleine ist für mich einer der drei stärksten Momente der ganzen Serie. Aber ich schweife ab.
Mein letztes Beispiel geht auch schnell: Eines der zentralen Mottos in George R. R. Martins „Das Lied von Eis und Feuer“ ist das Haus-Motto der Familie Stark: „Der Winter Naht.“ Oder, griffiger im Original: „Winter is coming.“ Da schwingt so viel mit, da ist so viel Kraft in dieser Aussage, einfach weil die kalte, harte Jahreszeit des Winters so viel symbolische Kraft besitzt.

Mediales Weihnachten wie auch der mediale Winter sind wie die Amphetamin-Version von allem, was da dran hängen könnte. Weihnachten und Winter sind in Filmen, Büchern und anderen Quellen oft so übersteigert, so exemplifizierend gebraucht, dass man es einfach lieben muss.

Fazit

Ich mag den Winter, weil er eine stille, eine ruhige, eine zum Teil auch langsamere, zugleich aber sehr emotionale und unter Umständen sogar sehr bedrohliche Jahreszeit ist. In gewisser Weise ist der Winter für mich zugleich einsam, wie er einen eng zu seiner Familie und generell zu seinen Nächsten führt.

Und darum mag ich den Winter.

Viele Grüße,
Thomas

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