Seelenworte

Schreibmusik anno 2015

Hallo zusammen!

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag gestern schon im Netz wissen, begleitend zur zweiten Musik-Episode des DORPCasts. Aber da ich lieber einen fertigen, als einen pünktlichen Artikel veröffentlichen wollte, wurde es halt Montag. Nun denn.
Meine letzten Beiträge zum Thema Schreibmusik liegen schon eine mehr oder weniger sträflich lange Weile zurück, sodass ein Update angemessen erschien – wenngleich ich zugeben muss, dass sich so viel gar nicht geändert hat.

Die großen Konstanten sowieso nicht: Ja, ich höre sehr gerne Musik als Untermalung beim Schreiben, mag die atmosphärestiftende Wirkung, die die richtige Musik entfalten kann. Und ja, sie muss nach wie vor instrumental sein oder zumindest in einer Sprache, die ich nicht verstehe, weil andernfalls die Worte aus dem Lied fast zwangsläufig zwischen die Worte auf dem Schirm sickern; da kann ich mich nicht wehren, egal was ich tue.
Was die Musikauswahl angeht, schaue ich tatsächlich vor allem auf die Stimmung. Bisher bin ich nicht hingegangen und habe für Buchprojekte eigene Soundtracks angelegt – gerade spiele ich mit dem Gedanken für [meine nächste lange Erzählung], aber gemacht habe ich es bisher noch nicht. Fantasy-Erzählungen ruhen noch immer auf den Schultern des genialen „Conan“-Soundtracks von Basil Poledouris, wenn es bombastisch sein soll, sowie auf den denen von Harry Gregson-Williams‘ Vertonung von „Königreich der Himmel“, wenn es eher um stimmungsvolle, ruhige Momente geht.
Gleichsam sind Trent Reznors Soundtracks zu den letzten Fincher-Filmen, seit meinem letzten Text dieser Art um den zu „Gone Girl“ angewachsen, meine bevorzugte Untermalung von allem, was mit einer dunklen, eher verdorbenen Stimmung geprägt sein soll. Braucht es hingegen mehr Dynamik, sind es Action-Sequenzen irgendeiner Art, dann muss Hans Zimmer ran. Allerdings nicht der generische Einheits-Zimmer, den ich zwar auch mag, aber der mir da nicht genug gibt, sondern sein wunderbarer, experimenteller Soundtrack zu „Black Hawk Down“.
Geht es um SciFi, und zwar nicht die heroische nach Art eines Kriegs der Sterne, sondern eher die dystopische Geschmacksrichtung, so hat der Soundtrack vom Videospiel „Deus Ex: Human Revolution“ mir bisher immer gute Dienste geleistet, in die richtige Stimmung zu kommen. (Und wem der nicht reicht, der findet mit dem kostenlosen Remix-Album Deus Ex: Sonic Augmentation noch mal Nachschlag.) Soll es hingegen fetziger sein, dann sind Daft Punk mit ihrer Filmmusik zu „Tron Legacy“ immer in meiner Playlist willkommen.
Interessanterweise ist das Album zum Rollenspiel „Engel“, das In the Nursery damals aufgelegt haben, aus irgendeinem Grund die perfekte Untermalung für mich, um E.C. Tubbs Dumarest-Romane zu übersetzen. Das Album geht vielleicht nur eine Stunde, aber es hat mich jetzt schon durch Planet der Stürme, Derai, Planet der Spieler und – bis Ende des Monats – Kalin gebracht. Ich kann nicht mal sagen, weshalb.

Wobei das natürlich jetzt viel dogmatischer klingt, als es der Alltag hergibt. Ich habe ein ganzes Bündel an „Generika“ in der Soundtrack-Playlist, die je nach Laune ihre Chance haben. Videospielsoundtracks sind da zahlreich, gerade die zu verschiedenen Daedalic-Adventures, der „Shadow of Colossus“-Soundtrack (der leider so irre schwer zu kriegen ist), die tolle Piano-Musik von „Dear Esther“ und, anderes Ende des Spektrums, die Synthesizer-Klänge von „Far Cry Blood Dragon“ wirken manchmal Wunder. Auch „Baphomets Fluch“ 1, 2 und 5 haben wunderbare Soundtracks, muss ich sagen.
Im Filmmusik-Lager gehen die generischen Zimmer manchmal eben doch (The Rock, Crimson Tide und die drei Nolan-Batman-Vertonungen mag ich durchaus sehr), Silvestris „Van Helsing“ geht gut zu flottem Horror und, wo wir gerade bei dem Namen sind, der wunderbar vom Modern Jazz angehauchte Soundtrack zur Anime-OVA „Hellsing“ ist ebenfalls großartig.

Problematischer hingegen sind Soundtracks mit zu erkennbarem Thema. Dadurch ist etwa John Williams relativ pauschal raus, egal wie toll er ist, einfach weil „Star Wars“ immer Star Wars, „Indiana Jones“ immer Indy und „Jurassic Park“ immer eben das ist.
Das klappt übrigens auch anders herum – der eben erwähnte Engel-Soundtrack ist für mich subjektiv mittlerweile Dumarest, ist so eng mit der Tubb’schen Reihe verbunden, dass es glaube ich lange brauchen wird, um den im Zweifel noch mal mit neutralem Ohr zu hören. Falls ihr schreibt, falls ihr wie ich mal fest solche Zuordnungen gepflegt habt – ging oder geht euch das auch so?

Recht neu ist übrigens für mich, dass ich Musik ähnlich zu Layout-Projekten zuordne. Eigentlich höre ich bei der Satz-Arbeit ja Podcasts, aber es haben sich nun zwei Ausnahmen eingeschlichen. Das erste Mal ging mir das mit Dragon Kings so, einem ziemlich coolen Setting, das Ulisses auf Deutsch bringt und das gemeinerweise seinen eigenen Soundtrack mitgebracht hat. Das passte perfekt und beim Layouten gleich auch in der richtigen Stimmung für das Buch zu sein war ein schönes Plus.
Das zweite Mal nun ist etwas abgehobener und geht an die Vampire: die Maskerade Jubiläumsedition. Die World of Darkness war in meiner eigenen Jugend einfach im Kontext so eng mit Nightwish verknüpft, dass ich derzeit beim Layouten schlicht die alten (und neuen) Nightwish-Sachen hören muss. Geht nicht anders.

Ich glaube, das sollte en gros der Überblick sein. Nichts davon wie gesagt in Stein gemeißelt, aber vieles jetzt schon über eine derart lange Zeit etabliert, dass man zumindest von einer Konstanten reden kann. Allerdings bin ich ja auch immer für neue Anregungen dankbar – wenn ihr also einen Tipp habt, oder zwei, immer her damit. Immer!

Nun wünsche ich euch aber erst einmal einen guten Start in die neue Woche!

Viele Grüße,
Thomas