Kritik der reinen Kritik
Hallo zusammen!
Gerade im Moment gibt es im Rollenspiel-Forum Tanelorn eine, ich sage mal vorsichtig, kritische Auseinandersetzung mit dem Video-Arm unserer Pen&Paper-Webseite, DORP-TV. Und so sehr ich einigen der gemachten Anregungen gerne zustimme, so sehe ich mich zugleich einmal mehr mit der Frage konfrontiert, was eigentlich aus der guten, alten Befähigung zu konstruktiver Kritik geworden ist.
Es ist ein im Internet eigentlich fast schon ubiquitäres Phänomen, dass Leute, wenn sie Kritik äußern, dies stets mit einem Absolutheitsanspruch und effektiv einer Destruktivität tun, die ihresgleichen sucht. Und es ist ein Phänomen, das ich einfach nicht verstehen kann.
Nehmen wir an, ich habe etwas, was mich echt aufregt. Ein Buch, das nicht hält, was es versprochen hat, oder eben auch ein Internet-Portal, dass sich nicht so entwickelt, wie ich mir das wünschen würde.
Ich käme doch nicht auf die Idee, los zu ziehen und mehr oder weniger sagen: „Ihr könnt das nicht, lernt doch erst mal, was ihr tut, bevor ihr das weiter macht!“ So kommt das aber oft in solchen Diskussionen herüber. Klar, das Phänomen ist alt und Deutschland hat auch immer ca. 80 Millionen Fußballtrainer, wenn die WM naht, aber der Ton macht doch die Musik.
Da gibt es dann das Argument, dass Leute ihre Kritik nicht „weichspülen“ wollen. Hier ist aber die Frage, was ich mit meiner Kritik erreichen möchte. Ist es wirklich konstruktive Kritik? Möchte ich eine Verbesserung anregen? Gerade dann sollte man das mit der Härte vorsichtig abwägen.
Ich geh doch auch nicht zum Töpfer, zerschlage alle seine Töpfe und sage „Die nächsten machst du aber schön.“ Nein, ich zeige ihm ein, zwei Punkte, an denen er meiner Meinung nach arbeiten könnte und unterhalte mich mit ihm darüber, warum er töpfert, wie er töpfert, und ich es anders machen würde.
Oder möchte der Kritiker mit einer solchen Kritik vielleicht doch nur der größte Fisch im Teich sein, wenigstens für ein paar Minuten. Geht es bei einer solchen Auseinandersetzung weniger um das „Du“ als vielmehr um das „Ich“?
Das Maß der Selbstreflexion ist da immer ganz spannend – ich könnte das aber besser, ich musste mich durch das Material quälen, ich kann nicht verstehen, dass…
(Na, gemerkt? Richtig, dieser Text ist natürlich auch vor allem reflexiv aus meiner Warte, aber darum verweise ich zwar auf den Anlass, schreibe diese Zeilen aber nicht zu, sondern höchsten wegen des obigen Threads).
Es ist extrem einfach und angenehm, gegenüber bestehenden Institutionen seine eigene Position zu beziehen – sei das nun gegen Apple, Microsoft oder halt, ja, die DORP. Das Internet macht es dazu noch unpersönlich – das ist quasi perfekt.
Den Schaden, den diese Selbstproklamation in Form von Kritik letztlich anrichten kann, sehen viele in diesen Moment gar nicht. Aber vom wirtschaftlichen Schaden einmal abgesehen ist es auch einfach, so die aktiven Amateure aus einem Hobby zu drängen, was nie eine gute Sache ist. Vielleicht ist das, was sie gerade machen, nicht optimal, aber die wachsen mit der Zeit. Immer.
Und selten gibt es Leute, die wirklich bereit sind, in die Bresche nachzufolgen. Aber Hauptsache, man hat ein rhetorisch tolles Schreibsel ins Internet geworfen…
Dabei sind Regeln für eine konstruktive Form der Kritik so einfach. Freundlich und höflich – was nichts mit Schönreden zu tun hat – und dabei ehrlich, aber nicht feindselig. Und vielleicht auch einfach mal per Mail, wenn man die Leute nicht direkt zu einer öffentlichen Debatte zwingen will.
Denn warum sollte man das auch wollen.
Es sei denn…?
Es gibt eine Menge Themen derzeit im Netz, die in ähnliche Richtungen gehen. Boris Schneider-Johne (Videospiel-Magazin-Legende und Microsoft-Mensch) schreibt sehr schöne, kluge Worte in seinem Blog Dreisechzig.net über den neulich gefundenen iPhone-Prototypen, Holger sogar immer mal wieder darüber, dass Leute offenbar auch eigentlich gar nichts mehr cool finden wollen, sondern lieber Anti sind.
Das sind alles andere Nuancen des gleichen Themas. Und ich glaube, sie alle schlagen in einen Bereich des Erwerbs von Medienkompetenz, in dem es sehr viel Nachholbedarf gibt.
Viele Grüße,
Thomas






Wen hingegen meine berufliche Arbeit als Verlagsleiter und leitender Layouter für Ulisses Spiele interessiert, findet