Hallo zusammen!
Nun baue ich schon seit geraumer Zeit Poster für Actor’s Nausea, die Theatergruppe des Anglistischen Instituts der RWTH Aachen. Bisher umfasst meine Arbeit sieben Poster für Theaterstücke, ein Poster um neue Schauspieler zu suchen sowie allerlei weiteres Material. Ich glaube, seit 2006 mache ich das bereits, in dem Punkt mag ich mich aber auch irren.
Meine bisherigen Arbeiten für die Gruppe findet man auch online unter: http://seelederschar.deviantart.com/gallery/#Actor-s-Nausea
So weit, so gut. Gerade sitze ich an dem neuen Poster – nach obiger Zählung also das achte, das für ein Stück wirbt – und dieses Mal, dachte ich mir, gebe ich mal einen kurzen Einblick, welche Schritte so ein Motiv eigentlich durchläuft, bevor das Bild irgendwo an der Wand hängt.
Zwar habe ich in Seelenbilder schon mal eines meiner gefürchteten Konzept-Scribbles veröffentlicht, aber das ganze halt noch nie wirklich systematisch erklärt.
Am Anfang dieser Reise steht immer die Idee. Dabei ist halt die erste Frage, ob mir das Stück was sagt. Letztes Mal war das kein Thema, da Stand der Sommernachtstraum auf dem Plan, dieses Mal war das schon schwieriger.
Gespielt wird „Metamorphoses“ von Mary Zimmermann, tatsächlich basierend auf den „Metamorphosen“ von Ovid. Nun sagt mir Ovid was, die Adaption aber nicht. Zwar kann die englische Wikipedia eine Menge zu dem Stück sagen, aber der Funke sprang da noch nicht über.
Also habe ich mich mit Ben, einem der organisatorisch aktiven Macher der Gruppe, in einem Café getroffen und wir haben gemeinsam über das Stück gesprochen. Dabei entstanden sind diverse, wirklich wirre Skizzen mit dem Kugelschreiber, von denen wir dann letztlich eine erwählt haben, um sie umzusetzen.
Was ich übrigens nie tue, ist vorher zu schauen, wie andere Gruppen für das Stück geworben haben. Das wäre mir irgendwie zu billig.
Nebenstehend ist ein Scan der entsprechenden Doppelseite aus meinem Notizbuch zu sehen – die Skizze auf der rechten Seite ist es geworden. Ihr könnt ja mal schauen, ob ihr gleich am Ende seht, was ich gemeint habe.
Damit aber auch andere sehen können, worum es geht, ist die nächste Stufe dann eine richtige Skizze. Zeichnen konnte ich noch nie gut (und ich hoffe bis heute, meinen alten Kunstlehrer durch Zufall noch mal zu treffen und ihm zu erzählen, dass ich einen Bildband herausgebracht habe), dennoch greife ich hier immer gerne zum Bleistift und versuche so Leuten schon mal zu zeigen, worum es geht.
Nebenstehend sieht man die entsprechende Seite in meinem Skizzenblock – ich denke, eine erste Idee wird klar.
Nächster Halt: Das Foto. Meistens entstehen diese, da der Hintergrund ja eh dran glauben wird, direkt im Anglistischen Institut während einer Probe. Einzige Ausnahme war das Poster zu „The Crucible“, was ich auch nach wie vor zu meinen stärksten Arbeiten in dem Bereich zähle – nicht zuletzt darum wurde das ja auch das Cover der Seelenbilder.
In diesem Falle habe ich mir Ben (ja, der gleiche wie oben) und Miriam geschnappt und sie vor eine einfarbige Säule postiert, die Regisseurin sehr zu ihrer Freude diese Augenbinde wickeln lassen und dann einen entsprechenden Satz Fotos gemacht.
Natürlich ist pünktlich zum ersten Foto mein Scheinwerfer durchgebrannt, weshalb das Licht darauf so scheußlich wirkt, aber auch das ist ja heute kein Thema mehr.
Die RAW-Datei von der Spiegelreflex-Kamera wandert dann daheim auf den Rechner und wird erst mal „entwickelt“. Für weniger versierte Freunde der Bildkunst: RAW-Dateien sind, salopp gesagt, „digitale Negative“ und ermöglichen das nachträgliche Verändern von Farbtemperatur, Weißabgleich, Kontrastwerten etc. auf Basis der Kameradaten. Mit Hilfe diese RAW-Auswertung habe ich, wie man nebenstehend sieht, nicht nur die Richtung verändert, aus der das Licht auf die beiden Personen fällt, sondern auch einige kleine Detailverbesserungen vorgenommen. Aber ich denke, das nebenstehende Bild sagt da mehr als tausend Worte.
Nächster Halt ist dann die eigentliche Bildbearbeitung. Das entwickelte Foto wird weiter bearbeitet, die Personen werden „freigestellt“ (also der Hintergrund entfernt), ein neuer Hintergrund auf Basis von persönlichen Bilderdatenbanken eingefügt, die Farbgebung von beidem aneinander angepasst und zuletzt dann auch das Schwingenpaar an Ben angesetzt, der in dem Stück unter anderem die Rolle des Eros einnimmt und dementsprechend geflügelt sein soll.
Ein besonderes Stück Photoshop-Magie ist übrigens zu entdecken, wenn man die Fotos von oben mit dem hier abgebildeten, fast fertigen Poster vergleicht, denn aus Gründen der Bildaufteilung habe ich Miriam weiter nach rechts gestellt, komplett mit am Rechner erzeugter, nun sichtbarer Schulter von Ben und vielen weiteren Details mehr.
Nebenstehend sieht man die derzeit aktuelle Fassung.
Ebenfalls bereits jetzt eingefügt werden die Rahmen oben und unten, die für Logos und Informationen notwendig sein werden, alleine damit ich bereits jetzt weiß, welche Bereiche des Bildes ich gar nicht weiter bearbeiten muss, da sie eh verdeckt sind.
Der Titelschriftzug ist ebenfalls eine bewusste Design-Entscheidung und soll ebenso wie das Design der Rahmenbalken selbst zum Thema des Stückes passen oder zumindest eine passende Atmosphäre erzeugen. Dabei sind aber oftmals Vorgaben des Rechteinhabers zu beachten; so auch hier.
Author’s billing shall be at least fifty (50%) percent the size of type of the title of the Play, or one hundred (100%) percent the size of credit given to any other individual in connection with the play, whichever is larger.
Das sind Einschränkungen, die auch bereits von Anfang an bedacht werden sollten, wenn man nicht später gestalterisch in Schwierigkeiten kommen möchte.
Was nun noch fehlt, sind die genauen Informationen wann und wo das Stück aufgeführt wird sowie eine Übersicht der Sponsoren. Sowie diese Informationen endgültig bei mir eingetroffen sind, werden diese letzten Handschläge am Poster getan und dann kann das Poster in den Druck gehen.
Ich sage Bescheid, wenn es soweit ist.
Weitere Informationen zur Gruppe wie zum Stück gibt es auf der offiziellen Webseite von Actor’s Nausea unter http://www.actorsnausea.de – an die auch mein Dank geht dafür, dass ich dieses kleine Special von hinter den Kulissen bringen durfte.
Vielleicht fand der eine oder andere es ja mal ganz spannend. Wenn ja, freue ich mich natürlich wie immer über Feedback!
Viele Grüße,
Thomas










Wen hingegen meine berufliche Arbeit als Verlagsleiter und leitender Layouter für Ulisses Spiele interessiert, findet