Der SPIEGEL und das Internet

Morgen zusammen!

Es ist viel zu früh für lange Einträge und eigentlich habe ich für heute auch noch was ganz anderes zu erzählen, aber ganz der deutsche Standard las ich zwar gerade beim Frühstück nicht die BILD, aber ein anderes Blatt aus dem Springer’schen Pamphlete-Fundus und stolperte im 50. Spiegel des Jahres auf einen spannenden Artikel: „Die bedrohte Elite“.
Der Autor: Sascha Lobo. Der Spiegel nennt ihn „deutschlands bekanntester Blogger“, mir sagte er nichts, wohl aber der Wikipedia … und kurioserweise scheint ein guter Teil dessen, wie der Spiegel dem Leser hilft, den Namen zuzuordnen, wiederum auf eine Fernsehwerbung, als „die alten Medien“ zu verweisen. Aber das nur als Anmerkung, die uns im paradoxen Detail heute früh zu weit weg führt…

Jedenfalls: Lobo nimmt Bezug zu einem Buch namens „Payback“, in dem Frank Schirrmann eine offenbar recht kulturpessimistische Position im Hinblick auf neue Medien etc. einnimmt und die, wie sollte er es anders tun, der Blogger nun kontert.

Der Artikel ist ganz spannend, wenn er auch – so, wie er zu Recht attestiert, dass die verderbende Wirkung der neuen Medien schon von Platon kritisiert worden ist – in gewisser Weise doch wieder die gleiche, apologetische Schrift ist, die auch die letzten Medien schon nach sich gezogen haben. Lobo verweist auf Sokrates, der – von Platon geschrieben – das Aufkommen der Buchstaben kritisiere, er zitiert zudem einen Aufsatz von Georg Simmel von 1903. Auf der einen Seite zeigt das natürlich anschaulich, dass der Prozess, den wir durchleben, ein natürlicher sein mag. Auf der anderen Seite aber zeigt es auch, dass offenbar das Argumentieren gegen das Argumentieren gegen die jeweils neuen Medien ein wenig einer Arbeit entspricht, bei der Sisyphos gut aufgehoben wäre.

Hans Magnus Enzensberger hat einen Text veröffentlicht, der auf den überaus klangvollen Titel „Das digitale Evangelium“ hört und eine Menge Sachen beinhaltet hat, die mich vor einigen Jahren sehr begeistern konnten. Ich sehe das heute meinerseits mit einem deutlich erhöhten Grad an Pessimismus, denn wie schon gesagt, irgendwie scheinen die Debatten sich im Kreis zu drehen und wenn Lobo etwas relativ Neues mit attestiert, dann wohl, dass es quasi ein neues Medium braucht, um das alte aus der Schusslinie zu holen.

Aber, und nach langer Rede folgt der kurze Sinn, eine wirklich gute Eingebung hat der Artikel und sie steckt, wie so oft, im letzten Satz. Dort wird ein twitternder Mensch namens Linajk zitiert, der schrieb: „Mein größtes Problem mit der jungen Generation ist, dass ich nicht mehr dazugehöre.“
Meine Generation, also die Kinder der späten 70er bis frühen 80er, steht glaube ich ziemlich exakt auf dem Scheidepunkt einer kulturellen Entwicklung und man kann recht deutlich sehen, wie diese Grenze sich schlängelnd zwischen den Individuen bewegt.
Ich bin nicht, wie es oft postuliert wird, mit den neuen Medien „groß geworden“. Ich war 15, als ich meinen ersten Internetanschluss kam, bzw. Zugang zu meinem ersten. Der kostete damals 6 Mark die Stunde, wenn ich mich nicht ganz irre.
Ich nutze gerne die neuen Medien, ich blogge ja etwa ganz offensichtlich und ich chatte sehr gerne via ICQ. Andererseits stellen mich offene Chaträume immer wieder vor die Grenzen meiner kognitiven Möglichkeiten und ich habe echt Schwierigkeiten, ihnen zu folgen. Und Twitter, das sage ich ganz ehrlich, verstehe ich nicht. Nicht in der Handhabung – im Sinn.
Social Networking begreife ich, betreibe es aber eher aus Zwang. Meine Nachrichten, auch meine Kulturessays, lese ich lieber gedruckt als am Bildschirm. Das absolute Medium meiner Wahl ist das Buch. Ich schreibe nicht, um PDFs zu füllen – das habe ich über Jahre getan, da es keine Alternative gab, aber die ist mittlerweile in verschiedener Form für mich gegeben, sei es on demand, sei es via Verlag.

Ich will dabei nicht als Kulturpessimist verstanden werden. Ich kann mich durchaus mit neuen Techniken anfreunden – als meine Freundin vor einigen Wochen ein Smartphone erwarb, fand ich das Gerät eher obskur; mittlerweile bin ich extrem begeistert von dem kleinen, digitalen Schweizer Taschenmesser der Massenkommunikation.

Aber ich bin nicht mehr „die Jugend“. Ich kann noch DOS-Befehle lesen, habe aktive Erinnerungen an Videospiele, die für andere Leute „Retrotitel“ sind und in meinem Freundeskreis, da gibt es einige junge Leute, die wussten nicht, dass Twix früher mal Raider hieß.
Das ist nicht schlimm, woher auch, wenn man damals noch nicht auf de Welt war.
Aber es macht mir langsam klar, wie sehr ich gespalten an diesem Punkt des Generationswechsels stehe. Ich war nie ein Freund dieser Thesen, aber offenbar ist sie wirklich da, die Generation Z. Und ich bin und bleibe wohl ein Kind der Generation Y.
Das ist es, was Lobo mir klar gemacht hat.
Das ist es, weshalb ich seinen Essay an dieser Stelle durchaus weiter empfehlen wollte.

Mein eigentliches Thema des Tages kommt später oder morgen dann noch.

Viele Grüße,
Thomas

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