Die Dinge einfach mal nicht kacke finden. Ein Plädoyer.
Hallo zusammen!
Ich hätte da heute mal ein Anliegen. Es ist etwas was mir schon geraume Zeit unter den Nägeln brennt, aber wo ich zugleich schon seit einer Weile auf den richtigen Stein des Anstoßes warte.
Nun, bis mir gestern aufging, dass diese Steine des Anstoßes mittlerweile so allwaltend geworden sind, dass sie mir gar nicht mehr bewusst ins Auge gefallen sind.
Und dabei habe ich doch ein mir recht wichtiges Anliegen: Können wir, als Gesellschaft, mal wieder aufhören, kollektiv alles erst mal kacke zu finden?
Also klar, die Lage der Welt ist in vielen Teilen nicht gerade rosig, logisch, aber wie ja eigentlich immer hier im Blog geht es mir zunächst einmal vor allem um die popkulturelle Ebene.
Und von der aus gesehen muss ich sagen: Ich bin müde.
Ich bin nicht müde von beständigen Remakes, oder davon, dass Videospiele früher besser waren, oder dass diese oder jene Serie nicht mehr so gut ist, wie sie war, oder von den vielen Superhelden, oder, oder, oder.
Ich bin müde von dem scheinbar allgemein vorherrschenden Konsens, dass im Grunde alles, was kommt, erst einmal kritisiert und aus möglichst negativem Blickwinkel betrachtet gehört.
Woran das liegt, frage ich mich schon seit langem. Ich glaube, viel hat damit zu tun, dass das Netz uns ja am Ende des Tages alle zu Medienkritikern gemacht hat. Wir sind alle Rezensenten, so wie am Stammtisch schon immer alle Fußballtrainer waren, wenn ein großes Turnier oder Spiel anstand. Alle haben eine Meinung, was okay ist; alle haben nun einen weitreichenden Kanal, sie mitzuteilen; das ist auch okay.
Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass sich dort Werte verschoben haben. Irgendwie scheint es sich als Idee festgefressen zu haben, dass eine echte Kritik nur dann gelungen sein kann, wenn sie möglichst hart, und bissig, und bitter daherkommt. Vergleicht mal, wie viele Youtuber es gibt, deren Kernkonzept darauf beruht, dass sie ihr Medium lieben, und das in Relation zu der Menge derer, deren Format darauf beruht, dass sie wütend sind, oder zornig, oder enttäuscht.
Eine gepfefferte Kritik bietet vermutlich mehr Unterhaltungspotenzial als Lob, aber das macht sie nicht besser. Und wenn ich dann in einer Online-Kritik lese, „Warcraft: the Beginning“ sei der schlechteste Film, den der Rezensent je gesehen habe, dann möchte ich jenem Rezensenten nur raten, sich mal für zehn Euro in den DVD-Grabbelkisten vor Ort umzuschauen und es sollte nicht schwer sein, etwas Schlimmeres zu finden. „Birdemic“ wäre ein guter Punkt, um anzufangen, vermute ich.
Aber es geht ja weiter. Eine „gute“ Kritik ist also negative Kritik. Das führt uns zu dem ätzenden Punkt, dass Autoren positiver Rezensionen immer wieder den gleichen Vorwürfen ausgesetzt sind: Entweder haben sie keine eigene Meinung, oder sie seien gekauft, heißt es dann.
Man muss nicht alles gut finden; das wäre genauso fehlgeleitet. Aber ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir kollektiv mal wieder versuchen, aktiv nach den guten Seiten eines Produktes zu schauen, anstatt nach den Schlechten.
Wir leben in einer Zeit, die rein popkulturell so beschenkt ist wie selten eine davor – und wir, als Gesellschaft, danken es den Machern zwar durchaus mit Geld, aber auch mit Häme, mit Ablehnung, Kritik und „Hating“.
Da stehen wir dann an dem Punkt, an dem der Regisseur des kommenden Ghostbusters schon fast verzweifelt ratlos wirkt in manchen Tweets, und an den Punkt, an dem ehemals Community-nahe Macher wie Joss Whedon sich von den sozialen Medien abwenden, weil es das nicht wert ist.
Und das ist schade.
Sehr, sehr schade.
Als Macher habe ich es gut. Mein Einzugsgebiet ist zugegebenermaßen klein, aber das Feedback was kommt, egal ob nun hier, zu meinen Büchern oder etwa zum DORPCast, ist eigentlich immer sehr respektvoll und positiv.
Aber gerade auf Facebook merke ich dennoch immer mehr, dass Negativität die neue Norm zu sein scheint. Das zehrt und zieht auch dann an mir, und führte letztlich dazu, dass ich im vergangenen Jahr begonnen habe, meine Einflüsse sehr bewusst zu kuratieren.
Kritik ist gut, kritische Meinungen sind erwünscht. Aber Formate, Kontakte und Einflüsse, die unter primär negativer Ausrichtung zu stehen scheinen, wandern zunehmend bei mir auf die Halde.
Ich will es nicht überstrapazieren, aber einmal mehr: Darum mag ich Easy Allies. Eine Seite, zu deren Mottos und Phrasen neben der gegenseitigen Bekundung von Love and Respect (von den Macher ans Publikum und umgekehrt) auch schlicht „Hype!“ zählt.
Doch scheint es mir, als wäre auch das etwas, was gerade hierzulande problematisch ist.
Wir sind fort davon, „Hype“ als die Versprechung von etwas Großem zu verstehen und viel mehr an dem Punkt, dass es die Versprechung von etwas Großem ist, was bestimmt nicht eingelöst wird und uns darum enttäuscht.
Wer sich fröhlich auf etwas freut, scheint es, der ist nicht länger ein Fan; „so einer“ ist naiv in den Augen der Masse. Ein Fanboy. So wie ich ja auch schon als „Jubelperser“ bezeichnet wurde. Und das gibt es dann gewürzt mit einer Form von Anspruchsdenken „wahrer Fans“, die ihr Verständnis einer Reihe, Marke oder dergleichen auch nur als ultimative Wahrheit sehen und Abweichungen davon, natürlich, mit Hass und Ablehnung strafen.
Wegen all dem habe ich eine Bitte an euch.
Einen Vorschlag. Ein Plädoyer. Sucht es euch aus, wie ihr es nennen wollt.
Wenn auch ihr das Gefühl habt, dass alles doof ist, dass früher alles besser war, dass Filme keinen Spaß mehr machen, Spiele langweilig geworden sind und das Essen nur noch nach Asche schmeckt – nehmt das nicht hin.
„Dinge mögen“ ist ebenso eine intuitive Haltung wie eine bewusste Handlung. Wenn ihr ins Kino geht, freut euch drauf. Wenn ihr den Film seht, schaltet den Kritiker im Kopf mal ein paar Gänge runter, sucht nach Dingen, die euch gefallen und nicht nach Dingen, die euch nicht gefallen.
Sucht keine Filmfehler, sucht coole Zitate.
Sucht keine blöde Plotentwicklung im neuen Band eurer Lieblings-Buchreihe, sucht nach dem Kram, der euch überraschen kann.
Und, vor allem, wichtiger als alles davor, schafft euch eine Umgebung, die dies wertschätzen kann. Konsumiert Onlinemedien, folgt Leuten auf sozialen Kanälen, diskutiert mit Freunden, die eure Freude und euren Spaß am jeweiligen Hobby teilen.
In diesem Sinne ist Medienkonsum einer Beziehung ähnlicher, als man meinen sollte. Wer hingeht, mit verschränkten Armen Platz nimmt und murrend meint, das Medium könne ja nun mal beweisen, dass es ihn doch irgendwie unterhalten kann, der wird vermutlich wenig Freude haben.
Wer hingeht, und den Spaß daran mit offenen Armen bereit ist zu empfangen, selbst wenn es Schwächen daran zu entdecken gibt, der wird ihn auch finden.
Und dann teilt diese Freude.
Erzählt euren Freunden, wie cool und großartig dieses oder jenes Medium ist.
Sucht nach dem Zauber, den Filme, Bücher, Videospiele und meinethalben Musik ausüben; und wenn ihr ihn findet, lasst euch verzaubern.
Seid gehyped.
Und, bitte, versucht einfach mal, die Dinge nicht einfach direkt wieder kacke zu finden.
Zuletzt, falls ihr mir recht gebt und auch blogt, oder sozialmedial postet, oder podcasted, ein Videoformat auf Youtube habt oder einmal in der Woche im Kurpark als singende Currywurst auftretet – dann tragt es in die Welt.
Versteht es wenn ihr wollt als Blogstöckchen. Ein Stöckchen ohne Fragen und weitestgehend ohne Aufgaben, bis auf eine: Teilt eure Liebe zur medialen Unterhaltung eurer Wahl mit der Welt.
Teilt eure Leidenschaft.
Steckt sie alle an mit eurem Eifer.
Viele Grüße,
Thomas






Wen hingegen meine berufliche Arbeit als Verlagsleiter und leitender Layouter für Ulisses Spiele interessiert, findet