Seelenworte

Vom Krieg der Sterne

Hallo zusammen!

Star Wars, so hat man ja das Gefühl, ist derzeit überall. Überall jedenfalls, wo Superheldenfilme und die anderen Mega-Trends der Zeit Raum lassen, fügen sich auch Jedi, Sith und andere Gestalten in unser popkulturelles Potpourri mit ein.
Und wer viel Rampenlicht abbekommt, der erntet natürlich auch allwaltende Kritik. Kritik von mir eher obskuren Menschen, die sich darüber aufregen, dass Star Wars weiblichen Hauptfiguren viel Raum zuschreibt. Kritik von jenen, die es früher alles besser fanden. Kritik von denen, die sich aufregen, wie Hollywood heute keine Ideen mehr habe und nur noch die Nostalgiekuh zu melken verstehe. Und etwa Kritik von denen, die eh nicht wissen, warum der olle Sternenkrieg so erfolgreich ist und die sich wünschten, Leute würden mal wieder „gehaltvollere“ Stoffe konsumieren. Oder produzieren.
Ich teile keinen dieser Kritikpunkte; nicht einen. Manche kann ich aber wenigstens nachvollziehen, andere nicht. Über keinen davon aber will ich heute reden.

Worüber ich hingegen reden will, ist etwas ganz anderes: Star Wars ist wichtig. Und wenn euch jemand sagt, Star Wars würde Kinder in ihrem Leben nicht weiterbringen, so biete ich mich unfassbar gerne als Gegenbeispiel an. Klar habe ich auch das Privileg, in einer völligen Ausnahme-Branche zu arbeiten; aber das setzt das Beispiel nicht außer Kraft, denke ich. Und es geht mir auch gar nicht alleine darum, dass Star Wars für meinen beruflichen Lebensweg bisher durchaus wichtig war – bis hin zu dem Punkt, dass ich bei Ulisses ja auch schon an Star-Wars-Produkten habe arbeiten dürfen –, es geht mir darum, wie es für mich wichtig war.

Ich glaube nicht, dass ich wäre, wer ich bin, wenn nicht der erste Blick damals von der Klippe herunter auf Mos Eisley so unfassbar viel sense of wonder in dem jungen Thomas M. geweckt hätte. Es ist in gewisser Weise der Moment im Film, in dem Luke in eine größere Welt tritt (wenngleich Obi-Wan diesen Moment später beziffert); und so ist er das auch für den jungen Zuschauer.
Genauso wie der Schock, der endlose Schock, wenn sich Vaders wahrer Hintergrund offenbart. Nicht umsonst ist es einer der ikonischen Twists des letzten Jahrhunderts; es ist ein Verrat an dem, was der Zuschauer bis dahin geglaubt hat. Ich glaube nicht, dass ich vorher wusste, wie sehr ein Film einen betrügen, verraten und treffen kann, als ich diese Szene das erste Mal sah und dieses Gefühl, es begleitet mich bis heute.

Ich habe schon mehrfach davon geschrieben, wie wegweisend die Star-Wars-Romane für mich waren. Viele waren nicht gut, aber alle waren wegweisend. All die alten Mittel, allen voran Karl May, hatten es nicht verstanden, einen Leser aus mir zu machen. Timothy Zahn hat einen Grundstein gelegt, der mich auf einen Weg schickte, über Deutsch-LK und Literaturstudium zur Verlagsanstellung.
Hätte es sonst ein anderes Buch geschafft?
Vielleicht? Wer weiß.
Aber es war kein anderes Buch. Es war Star Wars.
Ich erinnere mich noch daran, wie wir in der sechsten Klasse in Tradition der Schule gezwungen wurden, mit der ganzen Klasse ein Theaterstück einzustudieren. Ich hatte gottlob nur eine winzige Nebenrolle – aber ich erinnere mich noch daran, wie ich bei allen Proben in der Schul-Aula hinter einem der Vorhänge saß und Star-Wars-Belletristik aufsog.

Überhaupt, Kindheitserinnerungen. Daran, die Filme zu sehen, daran, die Filme nachzuspielen. In einem gemeinsamen Urlaub mit Bekannten von uns ergab es sich, dass sowohl der Sohn der Bekannten als auch ich je ein Plastik-Lichtschwert besaßen. Und so sind wir einen Abend zum Strand, er und ich, sowie unsere Väter, und haben da … na ja, gespielt halt.
Ich erinnere mich noch immer daran, wie ich mich mit meinem Vater von der vom Mond abgewandten Seite an die anderen beiden angeschlichen habe, weil man uns da halt nicht sehen konnte – bis das billige Plastiklichtschwert aufleuchtete.
Diese Erinnerung ist da, wird es vermutlich immer sein, und auch sie fußt auf diesem Ding, was Krieg der Sterne heißt.

Ich studierte Philosophie, ich saß in Ethik-Vorlesungen … und realisierte mit der Zeit erstaunt, dass irgendwie im Grunde die Jedi vermutlich genauso viel Anteil an meinem moralischen Code haben wie etwa meine christliche Erziehung. Natürlich ist die Welt in vielem zu komplex, um alleine darauf fußen zu können – und mancher Schluckauf im Hirn geht auch nicht weg, alleine „Only a sith deals in absolutes“ ist unfassbar doof, so als Aussage –, aber mein Gott, es gibt doch ehrlich schlechtere Konstrukte, um Kinder an die Grunddimensionen von Gut und Böse heranzuführen.

Es kamen die Prequels und einerseits wurden Erwartungen enttäuscht, andererseits aber wuchs nur diese Welt immer weiter. Ist Episode 1 ein guter Film? Nein, sicher nicht. Aber neue Planeten zu sehen, diesen komischen Namen „Coruscant“ endlich mal ausgesprochen zu hören, das war schon dennoch alles cool.
Episode 3 war dann schon versöhnlich – und heute haben wir natürlich noch ganz andere Filme. Star Wars ist, Wohl und Wehe, zurück und erobert kleine wie große Bildschirme, füllt die Seiten zwischen Buchdeckeln und liefert den Kontext für neue Videospiele.
Schon seit über 20 Jahren habe ich die Tradition, einmal im Jahr die Star-Wars-Reihe zu gucken. Das muss nicht das einzige Mal sein, aber einmal muss sein. Und nun ist es jedes Jahr ein Film mehr.
Mich macht das glücklich.

Auch, keine Frage, weil Star Wars mich schon so eine lange Zeit begleitet. Begleitet hat und begleiten wird. Und darum, gerade darum finde ich es immer so schade, wenn Leute abfällig vom Franchise reden, als wär’s nur was für Kinder. (Oder schlimmer noch: nur für Jungs.)

Aber eigentlich, wenn wir ehrlich sind, geht es hier und heute gar nicht alleine um Star Wars. Es geht um das, was für mich Star Wars ist; um das, was sicher auch heute für viele Star Wars sein dürfte, aber vielleicht auch etwas anderes wie der Fluch der Karibik; es geht um die Grundsteine.
Große Erzählungen, Heldengeschichten, Kämpfe von Gut und Böse, scheinbar triviale Geschichten, die das Zeug haben, Kinderaugen groß und die Gesichter von Erwachsenen verträumt zu machen.
Es ist so eine schöne Sache. Sicher, es ist trivial, es ist nicht Goethe, keine Naturwissenschaft und nur in Ausnahmen ein beruflicher Soft Skill.
Aber es weckt Phantasie, die Freude an Abenteuern und ein Gefühl für Gut und Böse.
Ich habe manchmal das Gefühl, diese grundlegenden Dinge sind zu schnell vergessen. Wir sollten nicht verlernen oder vergessen, was solche Geschichten mit uns machen und etwa gerade jetzt, wo die Sommerferien anstehen oder schon begonnen haben, Kinder anstiften, durchaus darin zu versinken. Wenigstens ein wenig.

Wenn ich Star Wars gucke, ist ein Teil von mir noch immer 8.
Ein Teil von mir steht oben auf diesem Felsen, mit Luke, zwei Droiden und dem alten Ben, und wir schauen zusammen auf Mos Eisley, nicht verleugnen könnend, was für Abenteuer uns dort noch bevorstehen werden.
Und diesen Platz dort auf dem Felsen – ich möchte ihn niemals verlieren.

Viele Grüße,
Thomas