Haben Sie schon mal über die seltsamen Punkte auf Buchrücken nachgedacht?
Hallo zusammen!
Es ist schon anderthalb Jahre her, da habe ich angefangen, hier im Blog einige Trivia rund ums Buch zu notieren, die man vielleicht auch andernorts gar nicht so einfach finden oder allgemein wissen kann. Es kam genau zu zwei Beiträgen – Haben Sie schon mal über Buchrücken nachgedacht? und Haben Sie schon mal über Pseudonyme nachgedacht? – und ich habe mir vorgenommen, dass es dieses Jahr doch ein paar weitere geben soll.
Heute möchte ich kurz über etwas sprechen, was mich schon immer fasziniert hat, was aber bisher hier auch nicht zur Sprache kame. Nebenstehend ist ein Foto aus einem meiner Science Fiction-Regalbretter, genauer gesagt von Heynes uralter Ausgabe von „Almuric“ von Conan-Schöpfer Robert E. Howards. Wer sich den Buchrücken näher anschaut (oder nebenstehend dem Pfeil folgt) entdeckt an der Oberkante einen einsamen Punkt.
Der ist aber nicht einfach so da – und in meiner Sammlung insgesamt finden sich auch etwa Bücher mit zwei oder vier Punkten, allerdings alles alte Schinken.
Manchmal sieht man heute noch Punkte auf Kinderbüchern, wo sie eine Lesestufe kennzeichnen, aber das kann es hier ja kaum sein. Was also sonst?
Wer weiter durch den Dschungel der Bücher schleicht, wird feststellen, das Punkte auf Buchrücken ansonsten seit den 70ern ausgestorben scheinen – ein Verlag allerdings hat das selbe System mit Quadraten noch eine längere Zeit fortgeführt: Reclam.
Nebenstehend sind drei ältere Reclam-Bücher (englische Titel, daher nicht „klassisch gelb“) abgebildet, jeweils mit zwei Punkten. Und vergleicht man alle diese Bücher, erkennt man plötzlich ein System.
Bei den Punkten handelt es sich um Preisangaben. Im Falle der Reclam-Titel entspricht jedes Quadrat einer Mark, ergo hat jeder der Bände damals 2 DM gekostet. Bei Heyne war man noch etwas spezieller, dort liegen die Preise bei 1,80+1 je Punkt; Almuric etwa hat also 2,80 DM gekostet.
In dieser Form nicht, aber anderweitig hat diese Methode sogar noch sehr, sehr lange überdauert. Hier nebenstehend sind einige Fantasy-Romane aus dem Goldmann-Verlag zu sehen – und wenn man an das untere Ende des Rückens schaut, kann man dort deutlich „990“ erkennen – eine Angabe, dass das Buch 9,90 DM kostete.
Übrigens eine unglaublich oft vergessene oder unerkannte Stelle bei Geschenken, bei denen der Schenkende den Preis verbergen wollte.
Der Tod dieses Systems kam dann allerdings mit der Euro-Umstellung. Ich kann verstehen, dass gerade in der Übergangszeit, in der ja auch oftmals beide Preise auf den Titeln standen, den Verlagen die Doppelangabe auf dem Buchrücken kontraproduktiv erschien.
Doch ich finde es andererseits auch sehr schade. Sehr viel Buch-Kauf-Verhalten ist bei mir auch durch Jugenderinnerungen geprägt – und diese kleinen Preisangaben auf den Buchrücken haben mich schon als Jugendlicher sehr fasziniert, zumal sie damals bei knappem Geld als Unterstufen-Schüler oft über Kaufen und Nichtkaufen entscheiden konnten, noch bevor ich das Buch aus dem Regal unseres kleinen, lokalen Buchladens gezogen hatte.
Ich habe schon häufiger darüber nachgedacht, ob ich das bei meinen Büchern nicht irgendwann mal wieder einführe. Einfach als Verneigung an die alten Tage des Taschenbuch-Handels, oder so.
Aber ganz gleich ob ihr es ebenfalls irgendwie nostalgisch oder egal findet, oder bisher nie darauf geachtet hattet – Punkte bei alten Taschenbüchern und Zahlen so zwischen 580 und 1990 auf Büchern bis zur Euro-Einführung haben eine einfache Erklärung.
Jetzt kennt ihr sie.
Viele Grüße,
Thomas









Wen hingegen meine berufliche Arbeit als Verlagsleiter und leitender Layouter für Ulisses Spiele interessiert, findet