Seelenworte

Vollzug: Lovecraft/Duve-Arbeit bei den Gutachtern

Hallo zusammen!

Das Titelblatt von mancher Stunde Arbeit …

Das Titelblatt von mancher Stunde Arbeit …

Heute gibt es mal ausnahmsweise einen frühabendlicher Beitrag. Seit heute Vormittag ist meine kleine akademische Weise mit dem Titel Das Motiv humanoider Fisch-Mensch-Hybriden in den Werken von H.P. Lovecraft und Karen Duve beim Amt und mutmaßlich schon auf dem Weg zu den Gutachtern. Und auch wenn mich ein guter Freund heute noch mal gemahnte, dass der Titel auch nach all der Zeit, die ich den schon von mir gebe, noch immer seltsam anmutet, so bin ich doch sehr zufrieden mit der Arbeit.

Und jetzt, wo das Fell zwar noch nicht verteilt, der Bär aber zumindest meinerseits schon mal erlegt ist, dachte ich, verrate ich auch mal zumindest grob, worum zum Geier es da geht.
Vielleicht am einfachsten sagt es das Abstract, das ich vor Beginn der Arbeit für mich selber aufgesetzt hatte:

Das Motiv des Meeres, seiner Bewohner und seiner Geheimnisse ist seit Anfang an untrennbar ein Teil der Literaturgeschichte. Doch eine sehr spezialisierte Variante davon, Mischwesen aus Mensch und Meeresbewohner, die unerkannt unter den Menschen Leben und deren Kultur anscheinend unterwandert haben, stellt eine seltenere Ausnahme dar.
Diese Motivvariante findet sich in den Texten des amerikanischen Autors H.P. Lovecraft, vor allem in der Geschichte „The Shadow over Innsmouth“ (1946), aber auch in der Novelle „Im tiefen Schnee ein stilles Heim“ (1995) der deutschen Autorin Karen Duve.
Das ist insbesondere bemerkenswert, weil es sehr schwer fällt, zwischen den beiden Autoren und ihrem Werk weitere Parallelen zu finden, sei es nun inhaltlich, historisch oder ideologisch.
Diese Bachelorarbeit wird untersuchen, wieso dennoch ausgerechnet in diesen beiden Texten, trotz ihrer Unterschiede, diesem seltenen Motiv eine so zentrale Rolle zugedacht wurde. Sie wird sich dabei auch mit der Frage beschäftigen, ob es möglich ist, dass beide Texte ganz unterschiedliche Botschaften mithilfe des gleichen Bildes vermitteln, oder ob nicht doch bei einer genauen Untersuchen Nuancen zutage treten, die der wahrgenommenen Parallelität widersprechen.

Es ist, nun wo ich durch bin, nicht mehr 100% akkurat, zumindest dahingehend nicht, dass die finale Arbeit noch eine Erweiterung in Richtung Tiefenpsychologie erfahren hat, die ich ursprünglich gar nicht auf dem Schirm hatte, die sie aber denke ich gut abrundet.
In jedem Fall bin ich sehr zufrieden damit, wie sie geworden ist. Ich deutete es schon mal an, aber sollten die Gutachter nicht irgendeinen gravierenden Mangel finden, den ich übersehen habe, dann könnte ich mir durchaus vorstellen, das gute Stück auch zu „verbuchen“, wenn ihr mich versteht. Allerdings vermutlich mit dem Monster von einem Titel nur in zweiter Reihe. Aber Lovecraft und Duve klingt ja eigentlich ganz griffig, oder? So wie „Luther und Kant“ oder „Brecht und Benjamin“, oder so. Na, wir werden sehen.
Aber grundsätzlich finde ich das einen fördernswerten Bereich: Wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit popkulturellen Themen hier in Deutschland. Der angelsächsische Bereich hat da ja mittlerweile ordentlich Regalmeter voll mit entsprechenden Werken, hierzulande ist es eher mau, sieht man vielleicht mal von der Ausschreibung einer DSA-zentrierten Anthologie ab.
Dabei haben so viele Leute, die ich kenne, im Laufen ihres Studiums oder zu dessen Abschluss durchaus interessante Arbeiten geschrieben. Holger auch über Lovecraft, aber auch unter meinen Bekannten hier in Aachen waren Arbeiten über die Historizität von „300“ genauso dabei wie etwa eine wirklich, wirklich lesenswerte Arbeit über die Darstellung männlicher Asiaten im amerikanischen Fernsehen (verkürzt umrissen).
Erhältlich sind die leider alle nicht – was ich schade finde. Aber nun ja, mal schauen, vielleicht gehe ich ja wirklich einfach mal mit gutem Beispiel voran, oder so.

Viele Grüße,
Thomas