Hallo zusammen!
Heute eine kürzere Randnotiz, weil das, was ich eigentlich die Tage schon hier schreiben wollte, noch nicht marktreif ist – und eine Frage, die ich explizit nicht mal rhetorisch meine. Na gut, nicht nur.
Ich stehe generell auf Weltbild. Ich kaufe da gerne, vor allem im lokalen Geschäft hier in Aachen. Ich lese gerne deren Katalog und der Tag, an dem ein neues Exemplar kommt und ich mich mit einem heißen Kaffe, Tee oder Kakao auf die Couch knallen und darin blättern kann, ist immer ein guter.
Aber genau aus dieser regelmäßigen und wohlgestimmten Interaktion mit dem Heft ist in mir eine Frage erwachsen. Eine Frage, die nicht nur den Weltbild-Katalog betrifft, aber sich an dem gut illustrieren lässt. Ich versuche mal ein Beispiel.
Auf S. 24 der Ausgabe 2/2011 finden sich die oft augenzwinkernd Nackenbeißer genannten Romane, also die Liebesschmöker auf deren Cover halbnackte Männer mit massiver Steroid-Überversorgung und knopflosen Hemden (echt, achtet mal drauf, die sind nicht auf, die haben keine!) aussehen, als wenn sie vollbusigen Frauen mit sehr akzentuierten Gesichtern und meist in historischer Gewandung gleich in den Hals beißen wollten. Nicht meine Gattung Buch, aber mit einigen passenden Beispielen gesegnet. Da gibt es etwa „Gefährliche Rivalinnen“ von Jane Feather. Dazu schreibt der Katalog:
Rosmund wird Zofe am Hof von Queen Elizabeth und verliebt sich in den Höfling Will. Mit Folgen.
Ich frage mich halt einfach – wer hat das geschrieben? Wer hat den undankbaren Job, einen Titel von 480 Seiten Umfang auf 92 Zeichen zusammen zu schießen?
Aber das betrifft ja nicht nur Nackenbeißer. So liest man auf S. 53 zu „Die dunkle Prophezeiung“ von Jon Land:
Ein hochspannender Weltverschwörungs-Thriller.
Ende. Nun ja. Das ist so archetypisch-generisch, dass man es vermutlich fast als Blindtext für die halbe Thriller-Ecke nehmen könnte. Aber ich weiß natürlich auch, dass der Anlass dafür rein pragmatisch ist – irgendwas muss man ja dazu schreiben, aber mehr Platz war dann auch nicht übrig. Das sieht man ja auch daran, dass das gleiche Buch auf ihrer Webseite durchaus eine Inhaltsangabe hat, die aber dafür auch nicht in den Katalog gepasst hätte.
Mich beschäftigt die Frage schon länger und ich dachte, ich schreibe das einfach mal hier. Das Internet ist unberechenbar – vielleicht weiß das ja jemand aus erster Hand. Denn ich kann mir sowohl vorstellen, dass das eine Arbeit für arme Azubis ist, dass es ein Tätigkeitsfeld der Verlage ist, die einfach direkt einen solchen Text beifügen, wenn der Vertrag geschlossen wird … oder aber Arbeit für wirklich gute Marketing-Leute, die es raus haben, Bücher so zu beschreiben, dass Leute es auch ohne Inhaltsbeschreibung interessant finden.
Ich werde da auch mal selber weiter nachhorchen, aber zumindest konnte ich so meine Beschäftigung mit dem Thema schon mal teilen. Muss hier ja nicht immer Frontalunterricht sein…
Viele Grüße,
Thomas






Wen hingegen meine berufliche Arbeit als Verlagsleiter und leitender Layouter für Ulisses Spiele interessiert, findet